Sonntag, 4. Januar 2026

"Der Fremde" im Programmkino Wels

Die Philosophie des Existentialismus von Sartre und Camus interessiert mich schon seit meinen Teenager-Jahren, der französische Filmregisseur François Ozon hat mich zum ersten Mal 2004 mit seinem Film 5x2 beeindruckt. Nun gibt eine Kombination aus Beidem: Ozon hat das bekannteste Werk von Albert Camus "L'Étranger" in seinem neuesten Film verarbeitet. Die Handlung spielt in den 1930er Jahren in Algier und man fühlt sich auch filmtechnisch in diese Zeit zurückversetzt. Das verwendete Schwarz-weiß-Format reduziert die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche, vor allem auf die Mimik und Gestik des Protagonisten Mersault (gespielt von Benjamin Voisin), dessen Haltung der Gesellschaft und des Lebens selbst gegenüber im Mittelpunkt der Textvorlage wie auch des Film steht. Diese "neutrale" Haltung, die ihm den Vorwurf der Gefühllosigkeit einbringt, führt schließlich zum Todesurteil für Mersault, der einen Widersacher erschossen hat. Fremd ist "Der Fremde" vor allem deshalb, weil er den gängigen Moralvorstellungen der Gesellschaft nicht entspricht, sondern dem Leben mit einer offeneren, wertfreien Einstellung entgegen tritt und daher auch mit den Wertvorstellungen der christlichen Religion nichts anfangen kann. Ozon stellt das Geschehen zielstrebig und schnörkellos und mit einem offenen Ende dar. Ganz im Sinn von Bertolt Brecht sieht man als Kinobesucher "den Vorhang zu und alle Fragen offen".
 

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