Wer sich ernsthaft mit Musikkultur beschäftigt, kommt an Bob Dylan nicht vorbei. Seine Musik und seine Texte begleiten mich seit Teenager-Tagen und daher bin ich gerne dabei, wenn ich Bob Dylans Anfangsjahre cineastisch präsentiert bekomme. Wie sie wirklich verlaufen sind, wird auch dieser Film nicht zeigen, er erzählt jedoch eine mich berührende Geschichte. Die Integration seiner Songs und speziell seiner Songtexte in die Handlung finde ich sehr gelungen. Sie kommentieren immer wieder das Geschehen in NYC der 1960er Jahre und Dylans Frauenbeziehungen, die der Film anspricht. Vielleicht ist es auch die zeitliche Distanz zum realen Geschehen von vor gut 60 Jahren, die einiges in mir bewegt hat, wirkt sie doch auch wie ein Rückblick auf meine eigene Jugend.
Freitag, 28. Februar 2025
Dienstag, 25. Februar 2025
Connolly Hayes im Rockhouse Salzburg
Es ist ewig her, dass ich mir zuletzt eine Band im Rockhouse Salzburg angehört habe. Das liegt einerseits daran, dass ich doch eher dem Jazz zugeneigt bin, und andererseits daran, dass ich es mit den Öffis nicht schaffe, nach einem Konzert wieder nach Hause zu kommen. Dennoch habe ich jetzt wieder einmal einen Rockhouse-Versuch gestartet, weil ich mir von dem Briten Connolly Hayes und seiner Band einiges versprochen habe. So wie ich die Rockhouse-Bar in Erinnerung hatte, sieht sie jetzt allerdings nicht mehr aus. In einem schlauchartigen Gewölbe mit einer Bar im hinteren Bereich lauscht man stehend dem Geschehen. Die Band hat mich nicht enttäuscht. Souliger Gesang von Jess Hayes und Connolly Hayes dominieren das musikalische Geschehen, Bass (Beau Barnard) und Schlagzeug (Andy Wilder) sorgen für den Drive, Connolly Hayes steuert gelegentlich ein sparsames Gitarrensolo bei. Mein Herz höher schlagen lassen hat allerdings Keyboarder Joe Mac, dessen improvisatorische Fähigkeiten auch in jeder Jazz-Formation für Furore sorgen könnten. Besser zu genießen als im Rockhouse sind Rock, Blues und Soul nach meinem Geschmack in anderen Venues, wie z. B. im Kino Ebensee oder im OKH Vöcklabruck.
Sonntag, 23. Februar 2025
Sullivan Fortner Trio im Wiener Konzerthaus
Obwohl mir kleinere, intime Clubs zum Genießen von Jazzkonzerten viel lieber sind, höre ich mir auch manchmal ein Konzert in einem großen Haus, wie z. B. dem Wiener Konzerthaus an. Dieses Mal war es ein klassisches Jazz-Trio aus den USA mit dem hoch gepriesenen Pianisten Sullivan Fortner. Der Mann ist stark beeinflusst von der Tradition eines Art Tatum und Erroll Garner, aber auch anderer großer Namen wie Thelonious Monk oder Bud Powell. Was er mit seinem Trio bietet, sind allerdings auch sehr modern klingende Kompositionen mit rhythmischer Finesse und hoher Expressivität, in denen Gleichberechtigung bezüglich improvisatorischer Freiheit zwischen den Bandmitgliedern besteht. (Tyrone Allen am Kontrabass und Kayvon Gordon am Schlagzeug) Sowohl komplexe Kompositionen als auch einfache, ins Ohr gehende Balladen stehen am Programm. Gegen Ende zeigen sich immer deutlicher die traditionellen Elemente allerdings in einem eigenständigen, modernern Gewand. Das Publikum im ausverkauften Mozartsaal war begeistert.
Mittwoch, 19. Februar 2025
"Die Schuld der Liebe" in den Lichtspielen Lenzing
Sonntag, 16. Februar 2025
Attwenger im OKH Vöcklabruck
Attwenger haben mich seit ihrer Gründung 1990 angesprochen und ich war schnell im Besitz von zwei ihrer ersten Alben "Most" und "Pflug", die ich u. a. als Einschlafmusik für meine Tochter als Baby verwendet habe. Zahlreiche besuchte Liveauftritte - einer davon sogar in Zürichs Roter Fabrik - und über 30 Jahre später treffe ich nun im OKH Vöcklabruck auf das Künstler-Duo Markus Binder und Hans-Peter Falkner. Die beiden haben nichts an Frische eingebüßt und machen immer noch das, was sie am besten können: ihre oberösterreichischen volksmusikalischen Wurzeln in Beziehung bringen zum Punk und Post-Punk mittels elektronisch verzerrter Knopfharmonika und aufs Wesentliche reduziertem Schlagzeug. Auch das Volksmusikinstrument Maultrommel trägt zur Atmosphäre ihres musikalischen Stils wesentlich bei. Vor allem die abwechslungsreiche Rhythmik und deren Intensität sind ihr Markenzeichen. Der Attwenger-Style hat schon zeitlosen Charakter angenommen und wird daher nicht nur vom älteren Teil des Publikums, sondern auch von zahlreichen jungen Konzertbesucher:innen freudig bejubelt.
Samstag, 15. Februar 2025
Martina Reinhart "Einschreibungen" in der Galerie Schloss Puchheim
Die Stadtgalerie von Attnang-Puchheim ist beheimatet im Eingangsturm des Puchheimer Schlosses und hat dadurch allein schon ihre architektonischen Reize. Seit über 30 Jahren gibt es hier Ausstellungen durchaus namhafter Künstler:innen. Zurzeit geht es um Bilder der österreichischen Malerin und Philosophin Martina Reinhart, die auch eine erfolgreiche sportliche Karriere hinter sich hat. Der Titel "Einschreibungen" drückt schon aus, dass in Reinharts Bildern Zeichen und Schrift ein auffälliges Merkmal darstellen. Thematisch geht es dabei um den Einfluss der digitalen sozialen Medien auf den Menschen und seinen Körper, worauf auch der Leiter der Galerie, Kunsthistoriker Peter Assmann, in seiner Eröffnungsrede hingewiesen hat. Im Rahmen der Ausstellung werden auch noch Vorträge stattfinden von Franz Froschauer und der Martina Reinhart selbst. Den kulturellen Wert des Schlosses Puchheim und der beinhalteten Galerie schätze ich sehr und wünsche gute Pflege und langen Fortbestand.
Freitag, 14. Februar 2025
Vöcklabridge Pocket Band im OKH Vöcklabruck
Im OKH Vöcklabruck werden mit der Konzertreihe "thursdays4jazz" auch monatlich Jazzabende veranstaltet, die sich immer größer werdender Beliebtheit erfreuen. Die Programmvielfalt ist beträchtlich, dabei werden auch lokalen Jazzmusikern Auftrittsmöglichkeiten geboten. Die Vöcklabridge Pocket Band spielte letzten Donnerstag Jazz mit Schwerpunkt 1960er Jahre. Jeder der Beteiligten gibt dabei sein Bestes, wobei der Name der Band laut Trompeter Chris Reisinger auch "Besser geht's nicht" lauten könnte. Unterstützt wurde die Band von den Vokalist:innen Soma Hosseini und Marc Höchtl, wobei die junge Sängerin mittels Ausdruck und Phrasierung durchaus das Potenzial hat, Gänsehaut bei der Zuhörerschaft zu erzeugen. Dass es auch ohne die letzte Perfektion möglich ist, einen unterhaltsamen Jazzabend zu gestalten, hat die Band jedenfalls bewiesen und dem Publikum hat's gefallen.
Mittwoch, 12. Februar 2025
Mátyás Bartha Trio im Schl8hof Wels
Dienstags ist im Schl8hof Wels Musikwerkstatt-Tag, was bedeutet, dass es Jazz im kleinen, intimen Rahmen schwerpunktmäßig mit österreichischen Musiker:innen zu hören und zu sehen gibt. Letzten Dienstag war ein klassisches Klaviertrio am Programm mit Mátyás Bartha am Klavier, Danny Ziemann am Kontrabass und Christian Salfellner am Schlagzeug. Schon beim Erklingen der ersten Töne war mir klar, worum es an diesem Abend gehen würde: Jazz, der swingt, mit Melodien, die Eingang gefunden haben ins Great American Songbook, interpretiert mit viel Liebe, großer Spielfreude, technischer Perfektion und individueller Ausdrucksstärke. Ich habe vor allem Wärme verspürt und die Freude, alten Bekannten (Melodien) in Wohnzimmeratmosphäre zu lauschen und mich mitnehmen zu lassen. Auch das Eigene an Kompositionen hat sich harmonisch eingefügt in diesen Kosmos zeitloser, unsterblicher Songs. Klassisches Jazz-Repertoire auf solch großartige Weise vorgetragen ist für mich eine wahre musikalische Wohltat.
Donnerstag, 6. Februar 2025
"Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen" in den Lichtspielen Lenzing
Jetzt gerade jährt sich zum 80. Mal der Beginn der Mühlviertler Hetzjagd auf über 400 aus dem KZ Mauthausen ausgebrochenen sowjetischen Kriegsgefangenen, bekannt auch als "Mühlviertler Hasenjagd". Schon vor gut 30 Jahren (1994) hat der österreichische Filmemacher Andreas Gruber einen dokumentarischen Spielfilm darüber in die Kinos gebracht. Durch das Österreichische Filmarchiv digitalisiert und restauriert läuft dieser Film mit dem Titel "Hasenjagd - Vor lauter Feigheit gibt es kein Erbarmen" gerade wieder in unseren Programmkinos an. Ich habe ihn in den Lichtspielen Lenzing wieder gesehen. Fast alle der Ausgebrochenen werden im Zuge der mehrwöchigen Hetzjagd getötet. Der Film konzentriert sich auf die Rettung von zwei Geflüchteten durch die mutige Unterstützung einer Mühlviertler Bauernfamilie. Der anwesende Regisseur Andreas Gruber stellte sich am Ende der Vorführung den Fragen des sichtlich beeindruckten Kinopublikums. In einer Zeit gefährdeter liberaler Demokratien ist die Erinnerung daran wichtig, wie schnell der dünne Mantel zivilisatorischer Menschenrechte zerreißen kann und totalitäre Regime die Macht ergreifen können.
Dienstag, 4. Februar 2025
"Aus zweiter Hand" - Ausstellung in der Stadtgalerie Vöcklabruck
"Aus zweiter Hand" ist der Titel der aktuellen Ausstellung von Renate Billensteiner und Gerhard Brandl in der Stadtgalerie Vöcklabruck im Lebzelterhaus. Der Titel der Ausstellung wurde deshalb gewählt, weil beide Künstler:innen vorhandenes Bildmaterial verändern und neu gestalten. Renate Billensteiner deckt vorhandene Portraitfotos mit unterschiedlichen Dingen ab und fotografiert sie erneut. Gerhard Brandl verfremdet Landschafts- und Portraitmalerei aus dem 19. Jhdt. mit zusätzlichen Elementen oder durch teilweises Verpixeln. Der Linzer Architektur- und Kunsthistoriker Georg Wilbertz erklärt diese Techniken in seinem Eröffnungsvortrag anschaulich. Das zahlreich erschienene Publikum schenkt sowohl dem Vortrag als auch den ausgestellten Bildern seine rege Aufmerksamkeit.
Montag, 3. Februar 2025
Lisa Hofmaninger mit "Es sind Trauben von Blüten ..." im Jazzit Salzburg
Poesie und Musik ist ein Genre, das ich schon länger kenne. Ich denke dabei zum Beispiel an Ernst Jandl, der vor vielen Jahren auch in Salzburg seine Lyrik mit Begleitung der Jazzband "The Neighbours" rezitiert hat. Dieses Mal hat Lisa Hofmaninger der vor einem Jahr verstorbenen Schriftstellerin Ilse Helbich ihre Reverenz erwiesen, indem sie sich durch die Lektüre ihrer Werke zu passenden Kompositionen anregen hat lassen. Mit einem Ensemble aus Klavier (Dieter Stemmer), Kontrabass (Helene Glüxam), Gesang (Anna Widauer), Posaune (Alois Eberl), Cello (Anna Lang) und Sopransaxophon sowie Bassklarinette (Lisa Hofmaninger) werden Texte von Ilse Helbich musikalisch verwoben und umrahmt. Lyrische Töne überwiegen, wobei mich der subtile, samtene Posaunenton von Alois Eberl besonders beeindruckt hat. Den eher dramatischen Part hat Lisa Hofmaninger selbst am Saxophon und der Klarinette übernommen. Ein besinnlicher und medidativer Abend wird mit viel Applaus belohnt.
Sonntag, 2. Februar 2025
J.D.Hive im Rossstall Lambach
Hinter der Abkürzung J.D. verbirgt sich der Name des Geigers Johannes Dickbauer, der nebenbei auch Imker ist. Daher hat er als Bandname auch "Hive" gewählt, was so viel wie Bienenstock bedeutet. Der klassisch ausgebildete Violinist hat ein Jazz-Quartett auf die Beine gestellt mit Raphael Preuschl am E-Bass, Sebastian Schneider am Klavier und Andras Des am Schlagzeug. Gespielt werden ausschließlich Eigenkompositionen, die sowohl Einflüsse klassischer Musik zeigen, mich aber auch phasenweise an das Mahavishnu Orchestra der 1970er Jahre erinnern. Die Glanzlichter der Aufführung bilden die Improvisationskünste von Johannes Dickbauer und Sebastian Schneider. Die Kompositionen selbst sind sowohl tonal als auch rhythmisch ziemlich komplex. Auch dafür passt das Bild des Bienenstocks als Ort geschäftigen Treibens. Das fachkundige Publikum war jedenfalls begeistert davon.
Samstag, 1. Februar 2025
Dave Douglas Gifts Trio im Schl8hof Wels
Der Trompeter Dave Douglas, der mir vor allem in Verbindung mit John Zorn bekannt ist, gastierte mit seinem Gifts Trio, Camila Meza (Gitarre und Gesang) und Kate Gentile (Schlagzeug), in intimer Atmosphäre im Schl8hof Wels. An diesem Abend ging es vor allem darum, dem im Schatten von Duke Ellington stehenden Komponisten und Pianisten Billy Strayhorn die Reverenz zu erweisen. Mit allergrößter interpretatorischer Freiheit wurden einige seiner Stücke zum Besten gegeben, zum Teil auch mit vokaler Unterstützung der Chilenin Camila Meza. Der musikalische Ausdruck reichte von subtilen Tönen bis zu höchster Intensität freier Improvisation. Dazu kommt die herzliche Art der Kommunikation des Bandleaders mit dem Publikum, das schließlich auch beherzt einstimmt in das wunderbare "We Shall Overcome", gesungen von Camila Meza. Das Ganze war ein ein Abend voller Intimität, Wärme und gegenseitiger Zuwendung, der noch lange nachwirken wird. Auf ein baldiges Wiedersehen und Wiederhören von und mit Dave Douglas würde ich mich freuen.
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