Ein großer Filmfan bin ich ja nicht gerade, dennoch reizt es mich manchmal, ins Kino zu gehen, so wie in diesem Fall. Geht es doch in dem neu erschienenen Spielfilm von Craig Brewer mit Hugh Jackman und Kate Hudson in den Hauptrollen um Songs von Neil Diamond, die ich als Teenager gern gehört habe. Allerdings werden sie im Film nicht von Neil Diamond selbst dargeboten, sondern von einer Neil-Diamond-Cover-Band, deren Geschichte erzählt wird. Die Bandgeschichte, angesiedelt in den 1990ern, ist zugleich eine Liebesgeschichte mit tragikomischen Zügen, die auf einer wahren Geschichte beruht. Trotz schwieriger Verhältnisse und tragischer Schicksalsschläge können "Lightning and Thunder", wie sich die Band nennt, mit den Liedern Neil Diamonds große Erfolge feiern, bis ein neuerlicher Schicksalsschlag dem Ganzen ein Ende setzt. Trotz allen Ungemachs dominiert schließlich in "Song Sung Blue" eine lebensbejahende Stimmung, nicht zuletzt auch hervorgerufen durch die wunderbaren Lieder Neil Diamonds. "Me and you are subjects to the blues now and then, but when you take the blues and make a song, you sing them out again." Musik kann berühren, Trauer zum Ausdruck bringen und sie zugleich überwinden. Dafür schätze ich sie.
Dienstag, 30. Dezember 2025
Sonntag, 28. Dezember 2025
Upper Austrian Jazz Orchestra im Spielraum Gaspoltshofen
Das Upper Austrian Jazz Orchestra (UAJO), das es nun schon seit fast 35 Jahren gibt, überrascht immer wieder mit neuen Projekten. Dieses Mal ist in neuerlicher Zusammenarbeit mit dem schwedischen Arrangeur Mats Holmquist ein Programm entstanden, das sich auf 14 Songs der legendären Beatles bezieht. Dabei werden allerdings die Lieder nicht nachgespielt, sondern eher nachempfunden und umgemodelt zu neuen Kompositionen, die auch alle neue Titel tragen. Die Technik, aus vorhandenem Musikmaterial etwas Neues zu kreieren, ist nicht neu. Derartige Transformationen findet man bereits bei Johann Sebastian Bach. Mats Holmquist ist das sehr gut gelungen. Seine liebevolle, musikwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem musikalischen Schaffen der Beatles hat beachtliche Früchte getragen. Meine persönlichen Highlights dabei waren die Bearbeitungen von "Norwegian Wood", "Strawberry Fields Forever", "A Day In The Life", "The Long And Windig Road", "While My Guitar Gently Weeps", "Come Together" und "Hey Jude". Holmquist's Bigband-Arrangements empfinden die Atmosphäre der Beatles-Originale nach, übernehmen deren rhythmische Strukturen und lassen dabei auch reichlich Freiraum für solistische Einlagen der Bandmitglieder. Das dahinter steckende Original zu erkennen, ist dabei allerdings nicht immer ganz einfach. Der Spielraum Gaspoltshofen war bis auf den letzten Platz gefüllt mit begeisterten Zuhörer:innen. Wer hier nicht dabei war, kann später trotzdem in den Genuss von "Beatles upside down" kommen. Das Ganze soll nämlich auch bald auf Tonträger erscheinen und weitere Konzerte sollten dann folgen.
Freitag, 26. Dezember 2025
Kollegium Kalksburg im Porgy & Bess, Wien
Wer am Weihnachtstag gute Musik hören will, kann das im Wiener Porgy & Bess tun. Da gibt es auch an Festtagen Programm. Zu hören ist das "Kollegium Kalksburg", ein in der Tradition des Wiener Lieds verwurzeltes Trio, das es mittlerweile auch schon bald 30 Jahre gibt und an dessen Darbietungen ich mich schon mehrmals erfreuen durfte. Skurrile Texte, in denen oft Alkoholsucht und Tod behandelt werden, sind eine Spezialität von Heinz Ditsch (Akkordeon, singende Säge, Gesang), Paul Skrepek (Kontragitarre, Gesang) und Wolfgang Vincenz Wizlsperger (Gesang, Baritonhorn). Neben eingenen Kompositionen covert die Band auch bekannte Lieder, z. B. von Georg Danzer (Vorstadtcasanova) oder von Carlos Puebla (Hasta siempre, commandante, das jetzt "Zwischn d'Finga" heißt, und eine Hymne auf das Leben ergibt). Ganz besonders gefällt mir immer wieder das Medley aus "Wenn der Herrgott net will" mit englischem Text und "I hab die schönen Madln net erfunden". Oft enden Lieder auch im Chaos oder werden einer Kollektivimprovisation unterzogen, wobei Heinz Ditsch und Paul Skrepek einen besonderen Beitrag leisten und ihre Instrumente dabei virtuos beherrschen. Spätestens hier wird auch klar, dass das "Kollegium Kalksburg" genau hierher in den Jazzclub gehört. Am Ende wird Musik dekonstruiert, zugleich jedoch dabei den wunderbaren Songvorlagen gehuldigt, z. B. "Le Moribond" von Jaques Brel oder "Let It Be" von den Beatles. Für mich ist es immer wieder eine Freude, dem "Kollegium" zuzuhören. Schön, dass ich dieses wunderbare Weihnachtsgeschenk heuer im Porgy genießen durfte.
Montag, 22. Dezember 2025
Yvonne Moriel & Sophie Abraham im Jazzit Salzburg
Die Cellistin Sophie Abraham ist mir schon länger bekannt, und zwar seit sie ihr Soloalbum "Brothers" im Schl8hof Wels im Februar 2022 präsentiert hat, das sich mit dem Unfalltod ihrer zwei Brüder auseinandersetzt. Daraus spielt sie auch dieses Mal wieder Ausschnitte. Das Konzert beginnt allerdings mit einem Solopart der Saxophonistin Yvonne Moriel, die sich mit elektronischen Hilfsmitteln rhythmisch und klanglich weit über den reinen Saxophonsound hinaus begibt. Sie verwendet dazu sowohl Alt- als auch Sopransaxophon. Als Ausklang ihres Soloausflugs kehrt sie noch kurz zur Jazz-Tradition zurück, indem sie mit dem Thema von "Goodbye Pork Pie Hat" sowohl Charles Mingus als auch Lester Young ihre Reverenz erweist. Das Zusammenspiel der beiden Musikerinnen gestaltet sich aufgrund anspruchsvoller Eigenkompsitionen dann recht spannend und abwechslungsreich. Sophie Abraham setzt dabei auch immer wieder ihre Stimme wie auch Elektronik als Zutaten ein. Nach diesem gelungenen Duo-Projekt gibt es natürlich auch weitere Gelegenheiten, die beiden Musikerinnen zu hören. Yvonne Moriel z. B. mit ihrer Band "sweetlife" oder mit "Shake Stew" (schon im Februar im Jazzit) und Sophie Abraham im Frühjahr mit dem "radio.string.quartet", in dem sie fixes Mitglied ist.
Freitag, 19. Dezember 2025
Guillaume Tell im Musiktheater Linz
Meine musikalische Sozialisation erfolgte weit abseits der Oper, und dennoch bin ich auch auf dieses Musiktheater-Genre neugierig. Ich ergreife also wieder einmal die niederschwellige Gelegenheit, mir ein fast 200 Jahre altes Stück von Gioachino Rossini im Linzer Musiktheater zu Gemüte zu führen. Noch dazu kenne ich den Regisseur, Georg Schmiedleitner, noch von früher und bin daher gespannt, wie er die Oper in die Gegenwart transponiert hat. Zwei Welten prallen aufeinander: die bunte, natürliche Welt der Schweizer Gemeinschaft und eine technisierte, künstliche Welt moderner Medizin und Artificial Intelligence, ganz in blendendem Weiß gehalten mit allerhand geklonten Wesen. Die Schweiz triumphiert am Ende. Das Wichtigste bleibt für mich natürlich die Musik, die mit einer fulminanten Overtüre beginnt und schöne Chorpassagen und Arien beinhaltet, wobei mich die Stimme der weiblichen Hauptfigur Mathilde (Erica Eloff) am meisten beeindruckt hat. Das Bruckner Orchester Linz, dirigiert von Marc Reibel, harmoniert perfekt mit den Darsteller:innen auf der Bühne. Auch wenn meine musikalischen Schwerpunkte woanders liegen, so wird diese Opernaufführung für mich sicher nicht die letzte gewesen sein.
Donnerstag, 18. Dezember 2025
Mira Lu Kovacs & Clemens Wenger im Schl8hof Wels
Vorweihnachtszeit ist Zeit für Lieder zum Weinen. Das meinen die Sängerin Mira Lu Kovacs und der Pianist Clemens Wenger. So finden zu dieser Zeit schon seit 2022 Konzerte der beiden Musiker:innen statt unter dem Titel "Sad Songs To Cry To". Da ich ein Fan von Mira Lu Kovacs bin, war ich da auch von Anfang an dabei und habe auch bemerkt, dass sich die Songauswahl - meist handelt es sich um Coverversionen - immer wieder leicht verändert hat. Fixpunkte sind die Titel "Wenn ich mir was wünschen dürfte" (Marlene Dietrich), Kalt und kälter (S.T.S), This Women's Work (Kate Bush) und "A Case Of You" (Joni Mitchell). Mira Lu Kovacs interpretiert die dargebotenen Songs auf ihre charakteristische Art mit ihrer unvergleichlichen, nuancierten Stimme und einfühlsamer Klavierbegleitung. Immer wieder betont sie, dass man so manchen großartigen Song gar nicht covern dürfte. Wenn man es allerdings so gut macht wie die Beiden, dann sollte das schon erlaubt sein. Mittlerweile sind auch Kovacs's launige Conférencen ein nicht unwesentlicher Teil des Programms, mit denen sie immer wieder dem altersmäßig recht gut durchmischten Publikum nahe kommt. Stürmischer Beifall ist den Beiden trotz des "traurigen" Anlasses jedenfalls sicher.
Sonntag, 14. Dezember 2025
Fuzzman Go Home im Schl8hof Wels
Fuzzman alias Herwig Zamernik ist mir schon seit den 1990ern als Bassist von "Naked Lunch" bekannt. Vor 20 Jahren hat er dann sein eigenes Projekt gestartet und tritt seither mit seinen "Singin' Rebels" auf. Statt auf Englisch wird auf Deutsch gesungen, Keyboard und Trompete sind als Instrumente dazugekommen, Fuzzman spielt jetzt statt Bass eine zwölfsaitige Gitarre. Mit Indie-Rock ist Schluss und es gibt eingängliche Lieder mit teils recht persönlichen aber auch politischen Inhalten, wobei sich beide Welten durchaus auch vermischen. Was Fuzzman bietet ist Unterhaltungsmusik hoher Qualität, mit der er sich eine gar nicht so kleine Fangemeinde erspielt hat, der er in seinen Konzerten immer wieder seinen "Segen" zuteil werden lässt. Der Kontakt zum Publikum ist ein wesentliches Element seiner Auftritte, die Barriere der Bühnenrampe wird dabei auch gelegentlich überwunden. Fuzzman bietet Musik, die zum Mitmachen animiert, indem seine Fans Melodien und Texte mitsingen, und natürlich auch zum Mittanzen - so ist das Konzert im Schl8hof Wels auch ein Stehkonzert geworden. Fuzzman-Konzerte haben Fest- und Feier-Charakter. Dieses Mal sind Gründe zum Feiern, dass es Fuzzman nun schon 20 Jahre gibt, dass es der letzte Auftritt seiner kleinen 20-Jahres-Tour ist, dass bald Weihnachten kommt und dass es den wunderbaren Welser Schl8hof nach über 40 Jahren immer noch gibt. Fuzzman's Musik ist emotional und kommt so ehrlich rüber, dass sie einen einfach anspricht und vereinnahmt. Spielfreude und Freude beim Zuhören und Mitmachen ergeben einen langen, vergnüglichen Konzertabend.
Samstag, 13. Dezember 2025
Nouvelle Cousine im Jazzit Salzburg
Um 1990 herum gab es die "Austria Jazz Tage" in Vöcklabruck, und damals besuchte ich zum ersten Mal ein Konzert der noch blutjungen Bigband "Nouvelle Cousine", die heuer ihr 40-jähriges Bestandsjubiläum feiert. Der Pianist Christoph Cech und der Percussionist Christian Mühlbacher haben die Band gegründet, die sich bis heute in unterschiedlicher Besetzung gehalten hat und ein Sammelbecken exzellenter österreichischer Jazzmusiker:innen bildet. Aktuelle Mitglieder sind neben den Gründervätern z. B. Chris Kronreif, Fabian Rucker, Alois Eberl und Robert Bachner. Das "Neue" steht noch immer im Vordergrund des Bandkonzepts und das Experimentieren sowieso. Die Band will immer noch für Überraschungen gut sein - so nennt sich eine neue Komposition von Christian Mühlbacher auch "Surprise" - und präsentiert Kompositionen auf höchstem musikalischem und vor allem rhythmischem Niveau. Dazu kommen furiose Soloeinlagen vieler Beteiligter. Komplexe Strukturen, die hohe Aufmerksamkeit von den Musikern verlangen, sind die Spezialität dieses Klangkörpers. Dazwischen darf es allerdings (zur Entspannung) auch bisweilen einfach melodiös klingen, ja in Ansätzen sogar etwas schmalzig. Was mich fast immer am meisten an Musik besonders beeindruckt, ist Polyrhythmik, wobei ich beim Hören von "Nouvelle Cousin" voll auf meine Kosten komme. Der wunderbare Sound im intimen Rahmen des Jazzit macht den Genuss vollkommen. Die Begeisterung beim Publikum ist dementsprechen groß.
Freitag, 12. Dezember 2025
Lisa Hofmaninger & Helmut Jasbar im ProDiagonal Lambach
"You Promised Me Poems" nennt sich das Duo-Projekt von Lisa Hofmaninger (Sopransax und Bassklarinette) und Helmut Jasbar (E-Gitarre), das es nun schon seit vier Jahren gibt und welches ich nicht zum ersten Mal live erleben durfte. Einen Unterschied zu den vergangenen Aufführungen gab es dieses Mal, da Helmut Jasbar vor und zwischen den musikalischen Darbietungen auch kurze Lesungen auch eigenen Werken veranstaltet hat. Ansonsten gibt es recht frei gestaltete Musik der Beiden, die sowohl auf eigenen Kompositionen (Lisa's Song) als auch auf Kompositionen anderer basiert, wie z. B. Ralph Towner oder Roland Neuwirth. Während Helmut Jasbar auf seiner E-Gitarre mit diversen Sound-Beigaben Atmosphäre erzeugt, spielt Lisa Hofmaninger recht reine, geradlienige, fast klassisch anmutende Tonfolgen auf ihren Instrumenten. Auch Joni Mitchell's Hit "Both Sides Now" hat sich das Duo vorgenommen und zeigt dabei, wie man das bekannte Stück zerlegt und wieder auf eigene Art zusammensetzt zu einer neuen Kreation - ganz nach dem Motto: Es geht nicht in erster Linie darum, was man macht, sondern darum, wie man es macht. Beide Musiker:innen bringen dabei ihre Vorlieben und Eigentümlichkeiten zur Geltung, die sich zu einem harmonischen Miteinander verbinden und beim zahlreich erschienenen Publikum viel Anklang finden.
Montag, 8. Dezember 2025
Ethan Iverson & Mark Turner im Jazzit Salzburg
In der Musik-Salon-Reihe im Jazzit Salzburg gibt es immer wieder feine, kammermusikalische Darbietungen. Dieses mal bekam man ein Duo zu hören und zu sehen, bestehend aus den beiden US-amerikanischen Musikern Ethan Iverson am Flügel und Mark Turner am Tenorsaxophon. Die beiden orientieren sich an der subtileren Sorte des Modern Jazz, beeinflusst von Lennie Tristano und Warne Marsh, die Einflüsse aus Bepop, Cool Jazz und freier Improvisation miteinander verbunden haben. Ethan Iverson greift auch noch gerne auf Elemente des Ragtime zurück. Das Repertoire besteht aus Kompositionen des Pianisten und auch aus Stücken bekannter Jazz-Größen, wie Wayne Shorter (JuJu), John Coltrane (Lazy Bird), Billy Strayhorn (A Flower Is A Lovesome Thing) oder Thelonious Monk (Misterioso). Das Duo dekonstruiert dabei die musikalischen Vorlagen auf eigene Art und lässt viel Spielraum für Improvisation sowohl am Klavier und insbesondere am Tenorsaxophon. Mark Turner's Saxophonspiel ist geprägt von fließender, abwechslungsreicher Improvisation, wobei die wunderbare Tonbildung nie ins Aggressive ausufert oder gar in überblasenes Gekreische mündet. Mark Turner erzählt einfach Geschichten auf seinem Instrument, denen ich stundenlang zuhören könnte. Dabei fällt auch das blinde Verständnis auf, das zwischen den beiden Musikern herrscht, die sich immerhin schon seit 30 Jahren kennen. Ein besonderes Highlight war für mich Iverson's Komposition "Showdown", eine Ballade, die zu Tränen rühren kann. Ein später Nachmittag mit zeitlosem Jazz mit hohem ästhetischem Anspruch hat sich ereignet, und ich bin froh, dabei gewesen zu sein.
Samstag, 6. Dezember 2025
Lucas Oscar im OKH Vöcklabruck
Schon der Support-Act "Apricity" aus Linz hat in der OKH-Bar in Vöcklabruck für gute Stimmung gesorgt. Mit dem Singer-Songwriter Lucas Oscar ging dann so richtig die Post ab. Die Erscheinung des erst 24-jährigen Steirers sorgt in mancherlei Hinsicht für Aufsehen. Es ist seine schlaksige Figur, die alle möglichen und unmöglichen Verrenkungen auf der Bühne vollführt (und manchmal auch zum Sitzen kommt). Vor allem ist es allerdings seine Stimme, mit der er seine Songs mit einer Leichtigkeit und Lockerheit vorträgt, die mich sofort anspricht. Der junge Künstler ist ein Ausnahme-Gesangstalent, wobei seine Vorliebe dem soulig-funkigen Genre gilt. Seine Band ist die ideale Begleitung für seine gesanglichen Eskapaden. Auch sie zeichnet sich durch eine spielerische Leichtigkeit aus und vermittelt einen soulig-jazzigen Touch. Einen wichtigen Beitrag leistet dazu der Gitarrist Timon Grohs, dem man seine Jazz-Affinität sofort anmerkt. Florian Jauker sorgt für den treibenden Bass und und für elektronische Klänge am Keyboard. Danylo Dmyterko liefert dazu entspannte Rhythmen am Schlagzeug. Dabei geht es in den englischsprachigen Texten durchaus um erste Themen und gesellschaftliche Auseinandersetzung. Sein erstes Album hat Lukas Oscar bereits veröffentlich, ein zweites wird in Kürze erscheinen. Die österreichische Musikszene hat einen vielversprechenden Künstler mehr.
Freitag, 5. Dezember 2025
Lotus Flower Trio im C. Bechstein Centrum Linz
"The Sound of Rebellion" ist der Titel eines lesenswerten Buchs von Peter Kemper, das die politische Ästhetik des Jazz beleuchtet. Eine offensichtlich politische Dimension zeigen auch die Kompositionen des französischen Pianisten Bruno Angelini, die er mit den Saxophonostinnen Sakina Abdou (ts) und Angelike Niescier (as) als "Lotus Flower Trio" im C. Bechstein Centrum Linz dem Publikum zum Besten gibt. Er widmet sie Menschen, die sich besonders für Freiheit, Menschenrechte und Feminismus eingesetzt haben, wie zum Beispiel der amerikanischen Soziologin Jane Addams, der schwarzen Bürgerrechtsaktivistin Rosa Parks oder dem Kämpfer gegen die Apartheid, Nelson Mandela. Alle diese Stücke haben ein starkes, seriöses Klangfundament, auf dem es den Saxophonistinnen möglich ist, ihre Improvisationseskapaden zu praktizieren. Bisweilen reduziert sich das Trio auf einzelne Duette zwischen Klavier und Saxophon, dann wieder ergehen sich alle drei Musiker:innen in Kollektivimprovisationen der oft recht ausschweifenden Sorte. Somit geht es meist recht expressiv zur Sache, wobei sich jede der Saxophonistinnen mit ihrer eigenen, unverwechselbaren Klangsprache auszudrücken weiß. Die mehrstimmigen Sounds, die Sakina Abdou dabei am Tenorsaxophon bisweilen erzeugt, beeindrucken mich besonders. Der Name des Trios "Lotus Flower" geht auf den Saxophonisten Wayne Shorter zurück, der die Lotusblume, die in Sümpfen gedeiht, als Symbol ansieht für das klärende Licht in einer als "troubled and muddy" wahrgenommenen Welt. In der Persönlichkeit von Bruno Angelini und seiner Musik hat dieses Licht der Lotusblume auch für mich an diesem Abend deutlich aufgeleuchtet.
Mittwoch, 3. Dezember 2025
Sebastian Elias Weiss im Schl8hof Wels
Sebastian Elias Weiss ist ein junger Gitarrist und Komponist mit Grazer Wurzeln, der mit seinem Quartett bereits sein erstes Album "feets" veröffentlicht hat. Das Interessante daran ist, dass neben Kontrabass (Federico Perinelli) und Schlagzeug (Jan Samson Krizanic) auch der junge, deutsche Sänger Tillmann Risse mit seinem Gesangspart eine bedeutende Rolle in der Band spielt. In Weiss's Kompositionen geht es sehr ums Atmosphärische, das hauptsächlich im seriösen Bereich angesiedelt ist und von seinen ausschweifenden Improvisationen an der Gitarre und den stimmlichen Zugaben des Sängers lebt. So wird auch eine beeindruckende, mehrteilige Suite zu Gehör gebracht. Der Gitarrensound kann sehr traditionell klingen, kann allerdings auch recht kreative Züge annehmen. Mit seinem Gitarrenspiel überschreitet Sebastian Elias Weiss so auch bisweilen die Grenzen des Jazz-Genres in Richtung Indie-Rock, wobei ihm Jan Samson Krizanic an den Drums hilfreich zur Seite steht. Was die Band macht, ist eigenständige Musik mit einem weiten Horizont und stilistischer Vielfalt, wobei Gitarrensound und Stimme die Hauptrollen spielen. Mit seinem Bandprojekt hat sich Sebastian Elias Weiss was ganz Eigenes geschaffen, das ihn aus dem herrschenden Mainstream deutlich sichtbar hervorhebt. Sowas bekommt man nicht alle Tage zu hören.
Dienstag, 2. Dezember 2025
Jiří Slavik Antrittskonzert an der BrucknerUni Linz
Immer wenn es einen Professoren-Wechsel an der BrucknerUni in Linz gibt, darf sich der Neue in einem Antrittskonzert präsentieren. Dieses Mal ist das der Bassist und Multiinstrumentalist Jiri Slavik, der dem pensionierten Peter Herbert nachgefolgt ist. Dieser hat ein recht abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Zuerst zeigt er, was er solo am 5-saitigen Kontrabass drauf hat, dem ihm der kürzlich verstorbene Barre Phillips vermacht hat. Dann musiziert er mit Chris Kronreif und Mario Rom und schließlich mit Student:innen der Uni, wobei er zum Klavier wechselt und auch noch zeigt, dass er ein guter Saxophonist ist. Vorwiegend Eigenes wird dargeboten, das Einflüsse aus diversen Weltregionen beinhaltet. Der unterhaltsame Einführungsabend findet viel Anklang beim überaus zahlreich erschienenen Publikum.
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