Montag, 30. Juni 2025

Debasish Gangopadhyay und Paul Zauner im Rossstall Lambach

Indische Musik auf der Sitar hat mich schon fasziniert, als ich sie zum ersten Mal zu Gehör bekommen habe. Schon in den frühen 1980er Jahren durfte ich indische Musiker im Kammerhofsaal Gmunden live erleben. Seitdem ergreife ich gerne die raren Gelegenheiten, in den Genuss indischer Musik zu kommen. Im Rossstall Lambach hat sich nun eine solche ergeben, da der Posaunist Paul Zauner mit Debasish Gangopadhyay aus Kolkata zu Gast war. Dieser trug mehrere Stücke solo auf der Sitar vor, zwei Stücke bestritten die Beiden auch im Duett. Der Klang der Sitar ist erstaunlich: Feinste Nuancen und Tonhöhenschwankungen kann man mit diesem Instrument wiedergeben, ganz leise Töne sind möglich, sie kann allerdings auch zu einem ziemlich lauten Rhytmusgerät werden. Typisch für die Sitar sind die mitschwingenden Saiten, die einen Reichtum an Obertönen und Akkorden erzeugen, der den Reiz dieses Instrument ausmacht. Dass Posaune und Sitar auch recht gut miteinander können, haben die Duo-Stücke gezeigt. Das Hören des Anderen und das Eingehen darauf erzeugen ein wunderbares Miteinander. Debasish Gangopadhyay versteht seine Musik auch als Therapie ganz im Sinne des Albumtitels des unvergessenen Saxophonisten Albert Ayler von 1970: "Music Is The Healing Force Of The Universe". Somit konnte das zahlreich erschienene Publikum im Garten des Rossstalls Lambach einen recht heilsamen Sommerabend genießen.
 

Samstag, 28. Juni 2025

Karl Ratzer Trio im Jazzit Salzburg

Der Gitarrist Karl Ratzer ist mir schon lange bekannt, schon seit er 1980 nach seinem USA-Aufenthalt wieder nach Österreich zurückgekommen ist. Ein schönes Duo-Album mit Christine Jones ist mir in Erinnerung. Mehrmals habe ich ihn schon live erlebt, anlässlich eines seiner jährlichen Silvesterkonzerte im Porgy und mit Streichquartett-Unterstützung im KiK in Ried. Nun ist er im Trio aufgetreten mit seinem treuen Begleiter und Arrangeur am Bass, Peter Herbert. Das Schlagzeug spielt Howard Curtis. Alle drei sind große Könner auf ihren Instrumenten und so klingt auch die Musik, die dabei herauskommt. Das Trio interpretiert dabei Jazz-Standardrepertoire auf seine Art, wobei traditioneller Weise jeder ein Solo pro Stück beisteuern darf. Karl Ratzer beschränkt sich dabei nicht nur auf das virtuose Gitarrenspiel, sondern lässt bei Balladen auch seine Gesangsstimme erklingen, die durchaus ihren Reiz hat. Somit präsentiert die Band einen Abend in guter alter Jazz-Tradition mit überragender Instrumentenbeherrschung und großer Freude an der Musik. Das Publikum im vollen Saal des Jazzit kann sich ebenfalls freuen, dass es derart Stimmiges miterleben darf. 
 

Donnerstag, 26. Juni 2025

"jazz 'n' blues time" im Musikpavillon Nußdorf am Attersee

Vor dem Musikpavillon in Nußdorf am Attersee habe ich in den letzten Jahren schon so manches schöne Sommernachtskonzert erlebt. Dieses Mal hat die Musikschule St. Georgen im Attergau ihren Jazz-Jahresabschluss hier gefeiert mit zwei Formationen, dem Jazzensemble und der Swinging Saxes-Band. Bewährte Jazz-Standards bekam man beim siebenköpfigen Jazzensemble zu Gehör mit engagierten Solo-Einlagen. Die Swinging Saxes bilden schon fast so etwas wie eine Bigband mit ihren fünf Saxophonstimmen und der Rhythmusgruppe aus Gitarre, Bass und Schlagzeug. Daher versuchten sie sich auch am Repertoire der Glenn Miller Bigband und gaben u. a. Stücke wie Moonlight Serenade und In The Mood zum Besten. Unter der Leitung ihres Musikschullehrers James Hornsby bot diese Formation tatsächlich einen Klangfarbenreichtum, den man sonst nur von noch größeren Bands zu Gehör bekommt. Schön, wie auch Amateurmusiker:innen einen unterhaltsamen Jazzabend gestalten können.
 

Dienstag, 24. Juni 2025

"Armor in Transit" von der Gmundner Keramik zum Rathaus

Ein Künstler wird, in eine selbst gefertigte Rüstung aus Gmundner Keramik gehüllt, von der Gmundner Keramik zum Gmundner Rathaus gehen. Das habe ich über Social Media erfahren, und es hat mich neugierig gemacht. Also war ich zur angekündigten Zeit bei der Gmundner Keramik und habe die Vorbereitungen für die Kunstperformance mitverfolgt. Das Projekt fand im Rahmen der "Academy of Ceramics Gmunden" statt in Kooperation mit der Landes-Kultur GmbH OÖ. Kunststudent:innen der Kunst-Uni Linz erarbeiten dabei Kunstwerke in Zusammenarbeit mit der Gmundner Keramik. Es dauerte einige Zeit, bis Kao Chen Hsiang aus Taiwan seine Rüstung angelegt hatte, dann machte er sich mit klackenden Geräuschen auf den Weg, verfolgt von zwei Kameraleuten, die den beschwerlichen Gang hinunter ins Zentrum dokumentierten. Nach einem Halt vor dem Schleiss-Haus erreichte er schließlich den Rathausplatz, wo es nach einer Minute des Schweigens wieder ans Ablegen der schweren Keramikteile ging. Die Bilder dieses gerüsteten Manns, der durch Gmunden schreitet und das Klacken, das seine Rüstung verursacht, werden mir für immer in Erinnerung bleiben.
 

Montag, 23. Juni 2025

Bop Explosion im Musikpavillon Linz

Nach dem Brucknerhaus im Donaupark Linz liegt der Musikpavillon, der in den Sommermonaten kulturell genutzt wird. Literatur- und Musikveranstaltungen finden hier bei freiem Eintritt statt, auch Jazzkonzerte meist am Sonntagabend. "Bop Explosion" nennt sich eine Gruppe von Musikern unter der Leitung des Pianisten und Komponisten Gerhard Schramke, die sich speziell dem Bebop widmet. Dabei sind der Bassist Uli Langthaler, der Schlagzeuger Dusan Navakov, der Trompeter Johannes Probst und der junge Altsaxophonist Márton Papp. Dabei geht es ziemlich traditionell zu mit Bebop-Themen und den dazugehörigen Soloeinlagen aller Beteiligten. Neben Standards wie z. B. von Thelonious Monk kommen auch einige Eigenkompositionen von Gerhard Schramke zur Aufführung, die den Werken der großen Vorbilder um nichts nachstehen. Vor allem das musikalische Können aller Beteiligten macht die Qualität dieser hörenswerten Aufführung aus. Auch wenn es dabei nicht immer "explosiv" zugeht, bietet die Band einen durchaus vergnüglichen Jazzabend an diesem warmen Sommerabend.
 

Sonntag, 22. Juni 2025

Sodl im OKH Vöcklabruck

Immer wieder tauchen am Pop-Himmel junge Talente auf, die bemerkenswert sind. Die junge Gmundnerin Anja Sodnikar ist eines davon, das ich nun auch einmal live erleben konnte. Am längsten Tag des Jahres auf der Terrasse des OKH Vöcklabruck ist das nun auch für mich ganz einfach möglich. Und mein Eindruck ist: Da steht eine junge, selbstbewusste Frau auf der Bühne, die weiß, was sie kann, und weiß, was sie will. Allein, ganz ohne Band, die ihr freilich etwas abgeht, zeigt sie, wie man Lieder schreiben kann und sie überzeugend auch ohne großes Tamtam, nur mit eigener E-Gitarrenbegleitung dem Publikum vorführen kann. Sodl spielt gut, Sodl singt gut, und manchmal schreit sie auch gut. Das Ganze wirkt lebendig, eindringlich und ziemlich selbstverständlich. Dass Sodl mit ihrer Kunst bereits den FM4-Award bei der heurigen Amadeus-Verleihung errungen hat und bei der Wiener Festwochen-Eröffnung einen Auftritt hatte, verwundert mich nicht. Gerne hätte ich ihr an diesem Sommersonnwendabend noch länger zugehört.
 

Samstag, 21. Juni 2025

The Hooten Hallers im Kino Ebensee

Das Kino Ebensee ist einer der besten Orte, um Rockmusik live zu erleben. Der Kontakt zwischen Band und Publikum ist hier auf ideale Weise gegeben, sodass ein gemeinsames Ganzes entstehen kann. Die Hooten Hallers, amerikanische Blues-Rocker aus Missouri fühlen sich hier richtig wohl und können ihre Kunst voll entfalten. Der Gitarrist und Sänger John Randall, der Schlagzeuger und Sänger Andy Rehm und die Baritonsaxophonistin und Sängerin Kellie Everett entwickeln einen Drive und eine Intensität, die nur wenige ruhig auf ihren Kinositzen verweilen lässt. Mich und viele andere setzt die rhythmische Kraft in Bewegung. Es geht um Ausdruckskraft sowohl rhythmisch als auch gesanglich, egal ob einfache oder komplexere Songstrukturen dargeboten werden. Die von tiefstem Blues geprägten Stücke haben mich persönlich dabei am meisten beeindruckt. Spielfreude und Freude beim Zuhören und sich Mitbewegen finden eine wunderbare Ergänzung. So macht Musikerleben Spaß.
 

Freitag, 20. Juni 2025

"Fete de la Musique" Gmunden

Die "Fete de la Musique" ist eine Veranstaltung, bei der Amateur- und Berufsmusiker im öffentlichen Raum ohne Gage auftreten. Sie wird in vielen europäischen Staaten zur Sommersonnenwende abgehalten, so auch in Gmunden nun schon zum dritten Mal. Das Stadtzentrum ist ab 17 Uhr bis weit in die Nacht hinein erfüllt von den Klängen unterschiedlichster Musizierender, seien es Soloauftritte, Duette, größere Bands oder Chöre mit vielen Beteiligten. Die Orte liegen alle nicht weit voneinander entfernt im Zentrum Gmundens, sodass man fußläufig nach Belieben von einer Darbietung zur anderen spazieren kann. Wo man dann länger verweilt, hängt ganz allein davon ab, wie groß die individuelle Anziehungskraft der gerade Auftretenden ist. Der Chorus Lacus Felix (am Foto) hat mich zum Beispiel längere Zeit fasziniert wegen seines Potpourris von Liedern aus dem Musical "Jesus Christ Superstar", "Christine und Friends" haben mir gefallen wegen ihres jazzigen Einschlags, die "Silver Spurs", einfach weil sie gut singen und Gitarre spielen können. Bei der "Fete de la Musique" gibt es als niederschwellig viel zu entdecken, die vielen Besucher:innen freut das und die Gmundner Gastronimie auch.
 

Donnerstag, 19. Juni 2025

Eröffnung des Gustav Mahler Festivals in Steinbach am Attersee

Der Komponist und Dirigent Gustav Mahler hat von 1893 bis 1896 mehrere Sommer in Steinbach am Attersee verbracht, wo er zwei seiner Symphonien komponiert hat. Er ließ sich zu diesem Zweck ein kleines Komponierhäuschen direkt am Atterseeufer errichten, das heute als kleines Museum dient. Seit nunmehr neun Jahren wird in Steinbach das Gustav Mahler Festival an mehreren Tagen im Sommer veranstaltet. Es beinhaltet Konzerte, Vortrage, Diskussionen und andere Aktivitäten. Die Eröffnung des heurigen Festivals, das unter dem Motto "Mahler und der Tod" steht, fand am Nachmittag des 19. Juni vor dem Komponierhäuschen statt. Mehrere Festredner:innen gingen dabei auf Mahlers Beziehung zum Tod und zum Sterben ein. Als prominenter Eröffnungsredner war der ehemalige Landeshauptmann von OÖ, Josef Pühringer, eingeladen, der vor allem den hohen Stellenwert der Kultur in unserer Gesellschaft betonte. Dazu gab es auch Klaviermusik, dargeboten von dem jungen Pianisten Tobias Takacs, der Stücke von Schubert, Bach, List, Bruckner und Satie vortrug. Das wunderbare Sommerwetter, der Blick auf den blauen Attersee und den entspannten Badebetrieb machten diese Eröffnung für mich zu einem besonderen Erlebnis. 

Mittwoch, 18. Juni 2025

"Köln 75" im Programmkino Gmunden

Eine der bekanntesten Jazz-Aufnahmen ist wohl das "Köln Konzert" des Pianisten Keith Jarrett. Nun gibt es einen Film über die Entstehung dieser Aufnahme in der Kölner Oper. Die erst 18-jährige Vera Brandes hatte das Konzert damals eingefädelt. Nun zeigt der Film, wie das passiert ist. Ich hätte mir den Film wahrscheinlich nicht angesehen, wären nicht vor der Filmvorführung drei ehemalige Organisatoren von Jazz-Konzerten in Gmunden aufgetreten. Anfang der 1980er Jahre gründeten sie die "Kulturinitiative 08/16", die fast fünf Jahre als Konzertveranstalter Bestand hatte und bis heute als Filmclub weitergeführt wird. Josef Aigner, Johannes Herzog und Christian Gabriel erzählten interessante Anekdoten über die damaligen Tücken der Organisation, an der auch ich als Mitglied der Jazz begeisterten Gruppe am Rande beteiligt war. Was ich an dem Film schätze, ist, dass er das Wesen der auf Improvisation basierenden Musik auch für Nicht-Insider gut beschreibt. Sowohl der Film als auch der Auftritt der drei ehemaligen Veranstalter unterstreichen den Wert kulturellen Engagements, ohne das es die vielen Möglichkeiten, Musikkultur zu genießen, nicht gäbe.
 

Sonntag, 15. Juni 2025

Anna Katt und We Love Silence im OKH Vöcklabruck

Im OKH Vöcklabruck gibt es nicht nur einen Saal und die Bar für Konzerte, sondern auch eine Terrasse vor der Bar, die dafür genutzt werden kann. Das Wetter hat es zugelassen und somit sind zwei Bands aus dem Genre Singer-Songwriter mit starken Folkeinschlägen dort aufgetreten. We Love Silence ist, wie der Name schon sagt, eine ruhige Angelegenheit. Lukas Staudinger, der Kopf der Gruppe schreibt und singt einfache Songs, die mich etwas an den frühen Bob Dylan oder an Crosby, Stills, Nash und Young erinnern. Frontfrau von Anna Katt ist die schwedischstämmige Kristina Lindberg, die ebenfalls Lieder mit Folk-, Pop- und leichtem Jazz-Einschlag mit Gitarren- und Keyboard-Unterstützung vorträgt. Manches ist auf Englisch, bisweilen ertönen auch schwedische Volkslieder. Die Sänger:innen beider Bands haben stimmlich einiges drauf, hitverdächtige Lieder haben allerdings beide Gruppen nicht in ihrem Repertoire. Der Sound war gut im Freien, die Beleuchtung fand ich suboptimal. Der Gesichtsausdruck von Kristina Lindberg ist für mich völlig im Verborgenen geblieben. Ich würde sie, sollte sie mir einmal begegnen, nicht erkennen. Die Stimmung auf der Terrasse war gut, auch wenn es gegen Ende schon etwas kühl geworden ist.
 

Freitag, 13. Juni 2025

Marianne Mendt im Theater Meggenhofen

Marianne Mendt ist für mich eine lebende Legende. Seit 1970 ist sie mir mit ihrem Hit "Wia a Glock'n" bekannt, später als Schauspielerin vor allem aus der Fernsehserie "Kaisermühlen Blues". Als Jazz-Sängerin hatte ich sie bisher noch nicht live erlebt. Im wunderbaren Rahmen des alten Bauernhofs "Theater Meggenhofen", den ich schon lange kenne und schätze, war das nun möglich. Begleitet von einem Quartett österreichischer Jazzmusiker (Oliver Kent am Klavier, Johannes Strasser am Kontrabass, Thomas Kugi am Tenorsaxophon und Mario Gonzi am Schlagzeug), die Marianne Mendt als "die besten Musiker der Welt" bezeichnet, gibt sie vor allem Jazz-Standards zum Besten. Auch Lieder im Wiener Dialekt werden vorgetragen, wie der "Kaisermühlen Blues" und als Zugabe darf natürlich auch "Wia a Glock'n" nicht fehlen. Den Refrain dürfen dann auch alle mitsingen. Die fast 80-jährige Marianne Mendt ist eine Entertainerin, die sich ihr Temperament, ihren Witz, ihren Humor und auch ihre gesangliche Qualität bis heute erhalten hat, auch wenn das Treppensteigen hinab zur Bühne für sie schon einmal leichter gewesen sein dürfte. Der begeisterte Applaus des vollen Bauernhofs war ihr sicher.

 

Sonntag, 8. Juni 2025

LoveJoy Gospel Choir im Flößersaal Stadl-Paura

Zeit ist es geworden, dass ich einen Gospel-Chor zum ersten Mal live zu Gesicht und Gehör bekomme, und das bei freiem Eintritt im Mehrzwecksaal der Volksschule Stadl-Paura. Da marschiert ein 40-köpfiger Chor aus Frauen und Männern auf, der von der schwarzen amerikanischen Sängerin Shelia Michellé und vom Pianisten und Organisten Helmut Reiter geleitet und instrumental unterstützt wird. Und gleich zu Beginn geht die Post ab. Der volle Saal ist quasi die Kirchengemeinde, die zum Aufstehen und Mitklatschen aufgefordert wird, wenn der Chor zu rhytmischer Hochform aufläuft. Das wiederholt sich im Laufe des Abends einige Male. Dazwischen gibt es auch langsamere und ruhigere Stücke, bei denen einzelne Chorstimmen in den Vordergrund treten und Solopassagen singen. Auch das für die Gospelmusik typische gesangliche Zwiegespräch zwischen Chor und Solist/in wird reichlich dargeboten. Die Stimmung ist gut, es wird viel stehend geklatscht, und ich bin froh, wenn ich mich zwischendurch auch wieder einmal für einige Zeit auf meinen Stuhl setzen darf. Die langsameren Stücke voller Pathos und Inbrunst waren mir die liebsten und für mich die berührendsten. Übrigens ist jede/r eingeladen, diesen Chor mit seiner/ihrer Stimme zu erweitern. Im Bildungshaus Puchberg finden neun Proben statt bis zum nächsten öffentlichen Auftritt im November.

"Zimmer3" in der Kurdirektion Bad Ischl

"Zimmer3" ist ein Duo bestehend aus Michaela Schausberger (Gesang, Violine, Mini-Piano) und Christian Kapun (Klarinetten). Geteilt haben sie sich früher Zimmer 3 in der Landesmusikschule Gmunden, wo beide unterrichtet haben. Ich habe das Duo auch schon vor längerer Zeit einmal in Gmunden gehört. "Let's Play" nennt sich das Programm, das in der Kurdirektion Bad Ischl zur Aufführung kommt. Das Material, das die beiden interpretieren, stammt aus Pop und Jazz und erhält durch "Zimmer3" eine besondere, eigenwillige Prägung. Ein Lied von Billie Holiday ist dabei, die Beatles werden gecovert und auch Tom Waits dient u. a. als Vorlage. Ganz besonders gelungen habe ich den Barbara-Song aus der Dreigroschenoper von Brecht und Weill gefunden. Beide Musiker:innen gönnen sich dabei weitestgehende Freiheit in der Wahl der musikalischen Mittel, wobei Christian Kapun seinen Improvisationsspielraum auf diversen Klarinetten reichlich nutzt. Ich höre den beiden gerne zu. Was sie machen, finde ich originell und spannend, und so dürfte das auch das sehr aufmerksame Publikum in der Kurdirektion an diesem lauen Sommerabend gesehen haben.
 

Freitag, 6. Juni 2025

Rising Stars im ProDiagonal Lambach

Die Programmmacher des ProDiagonal in Lambach wollen auch immer wieder junge, aufstrebende Künstler:innen präsentieren, sowohl im Genre des Jazz als auch in der Klassik. Die Auserwählten waren dieses Mal Leonie Marie Felbinger, die Stücke auf der Zither zum Besten gab, und Anna-Maria Schnabl, die eigene jazzig-soulige Dialekt-Songs mit Klavierbegleitung vortrug.
Dass die Zither nicht nur ein Volksmusik-Instrument ist, zeigt Leonie Marie Felbinger, indem sie ihr Instrument elektronisch verkabelt hat und somit alle mögichen Effekte damit generieren kann. Das musikalische Material, mit dem sie spielt, stammt allerdings aus längst vergangenen Epochen, wie z. B. Renaissance oder Barock. Es entsteht somit ein interessantes Spannungsverhältnis zwischen Komposition, klanglichen Möglichkeiten und Spieltechnik. So entstehen Kunstwerke, die das Publikum begeistern. Als Zugabe muss es allerdings dann fast zwangsläufig den Klassiker aus "Der dritte Mann" geben, das Zither-Stück, das wohl fast jede/r kennt.
Der starke Konstrast zu dieser Aufführung sind Anna-Maria Schnabls Dialektlieder, wobei sie sich selbst am Klavier begleitet. Es ist eine Mischung aus Pop, Jazz und Soul, die den musikalischen Background für die recht persönlichen, aus dem Leben gegriffenen Songtexte bildet. Und AMS, wie sich die Sängerin und Pianistin auch abgekürzt nennt, ist eine wahre Entertainerin, der es schon mit ihrer ersten Ansage gelingt, den Draht zum Publikum herzustellen. Sie nimmt es mit, indem sie es einlädt, sich zu beteiligen, sei es durch rhythmisches Schnippen oder als umgehend angelernte Backgroudsänger:innen. Das Kunstwerk beschränkt sich nicht mehr nur auf die Bühne, sondern geht dadurch auch darüber hinaus und erfüllt den ganzen Raum. Was will man mehr!
 

Mittwoch, 4. Juni 2025

Christian Groffner Quartett im Schl8hof Wels

Dienstag ist Jazztag, jedenfalls im Schl8hof Wels, wo die Musikwerkstatt Wels ihre Jazzkonzerte veranstaltet. Christian Groffner (Posaunist, Sänger und Komponist) war zu Gast mit Hubert Gredler am E-Piano, Simon Schmollgruber am E-Bass und Lukas Böhm am Schlagzeug. Die Gruppe hat gerade ihre erste CD aufgenommen, auf der ausschließlich Eigenkompositionen enthalten sind. Interessant ist, dass der Bandleader nicht nur die Posaune spielt, sondern auch selbst komponierte und getextete Lieder im Stil des Modern Jazz singt. Dabei geht es abwechslungsreich zu. Betont rhythmische Stücke wechseln sich ab mit Balladen und auch der Blues darf schließlich nicht fehlen. Groffners Gesang hat mir bei den schnelleren Songs dabei am besten gefallen, seine Posaunen-Soli ebenso. Hubert Gredler ist ein wahrer Tastenvirtuose, der seine Finger in rasendem Tempo am Keyboard hin und her fliegen lässt, aber auch die langsamen Passagen zeigen bei ihm eine berührende emotionale Tiefe. Bass und Schlagzeug sorgen für ein solides rhythmisches Fundament. Bisweilen kommen auch sie solistisch zum Einsatz. Das Publikum quittiert die Gelungene Darbietung am Ende reichlich mit Applaus.
 

Sonntag, 1. Juni 2025

Enji im Jazzit Salzburg

Jazzmusiker:innen haben sich schon immer für Musik aus anderen Kulturkreisen interessiert, haben Einflüsse verarbeitet, haben mit Musiker:innen aus anderen Kulturen zusammengespielt und somit ist eine Symbiose aus Jazz und "Weltmusik" entstanden. Was zuletzt im Jazzit zu hören war, ist ein Beispiel dafür. Die aus der Mongolei stammende und in München lebende Sängerin, die sich Enji nennt, ist mit dem Bassisten River Adomeit und dem Gitarristen Paul Brändle im Jazzit aufgetreten. Vom ersten Gesangston an berührt mich Enji's Stimme angenehm. Sie ist hell und warm und wirkt nie schrill oder aggressiv, auch wenn sie bisweilen etwas lauter werden kann. Sie tut mir gut, ist Balsam für meine Seele. Stilistisch ist sie im traditionellen Jazz verwurzelt und ebenso in der Volksmusik ihres Herkunftslandes und ich vermeine auch Einflüsse aus anderen Weltsphären wahrzunehmen, zum Beispiel auch Südamerikanisches. Ihre musikalischen Partner sind großartige Musiker und das Zusammenspiel des Trios ist genial. Gerade die sparsame Besetzung mit nur zwei Instrumenten (und ohne Schlagzeug) erzeugt eine besonders intime Atmosphäre. Dazu kommt noch, dass Enji auf das Publikum zugeht, sich (in nahezu perfektem Deutsch) erklärt und Erlebnisse schildert. Somit gelingt es ihr, das Anwesenden auf mehreren Ebenen für sich zu gewinnen. Von mir bekommt sie schon einmal den Titel "Publikumsliebling" verliehen.