Montag, 29. September 2025
Christian Muthspiel & Orjazztra Vienna im Schloss Zell an der Pram
"vom Jandl'n zum Ernst" nennt sich das aktuelle Programm des vom Christian Muthspiel geleiteten Orjazztra Vienna, das ich auch schon mit anderen Programmen bewundern durfte. Ernst Jandl ist selbst immer wieder mit Jazzmusikern aufgetreten und hat mit deren Begleitung seine Lyrik rezitiert, z. B. mit den "Neighbours" in den frühen 1980ern, als auch ich einmal live dabei war. Christian Muthspiel gelingt es mit seinem "Orjazztra", den bereits 2000 verstorbenen Lyriker wieder zum Leben zu erwecken, indem er Jandls Originalstimme in die Kompositionen dieses Programms einbaut, oder besser gesagt die Musik mit der Stimme Jandls verwebt. So sind 21 Musik-Minidramen entstanden, wobei den Sprechpart von Ernst Jandl auch bisweilen der Orchesterchef selbst übernimmt. Natürlich dürfen auch die beteiligten Musiker:innen mittels Soli und Duetten ihren musikalischen Glanz versprühen, so u. a. Alois Eberl an der Posaune oder Lorenz Raab an der Trompete bzw. Christina Lachberger an der Bassposaune mit Florian Bauer am Baritonsax sowie Ilse Riedler am Tenorsax mit Patrick Dunst am Altsax. Jandls thematische Vielseitigkeit von der reinen Wortspielerei über biographische Motive bis zu politisch engagierten Aussagen spiegelt sich auch in der Vielseitigkeit der musikalischen Stimmungen wider. Christian Muthspiel gelingt es mit seiner Bigband, dem großen österreichischen Poeten ein würdiges Geschenk zum 100. Geburtstag zu gestalten, an dessen Überreichung das begeisterte Publikum im akustisch ausgezeichneten Freskensaal des Schlosses Zell an Pram teilnehmen durfte.
Freitag, 26. September 2025
Federspiel im Kulturzentrum ALFA, Laakirchen
Die Salzkammergut-Festwochen veranstalten auch immer wieder Konzerte in der Alten Fabrik (ALFA) in Steyrermühl. Nun war die siebenköpfige Bläsergruppe "Federspiel" zu Gast. Die Band hat gerade ihre 20-Jahr-Jubiläumstour abgeschlossen und ein neues Album eingespielt, das nächstes Jahr erscheinen wird. Die Musiker haben vor 20 Jahren in Krems mit reiner Volksmusik begonnen, gefördert vom mittlerweile verstorbenen Volksmusik-Experten und Geiger Rudi Pietsch. Federspiel hat allerdings die Grenzen der heimischen Volksmusik mittlerweile weit überschritten und tritt stilistisch vielfältig in Erscheinung, z. B. mit "Harvest" einer Komposition von Joe Zawinul aus den 1980er Jahren und vielen Eigenkompositionen. Ich habe z. B. auch Einflüsse der Minimal Music eines Philip Glass in einem Stück herausgehört. Dennoch ist die Gruppe stark verwurzelt in der alpenländischen Volksmusik, was vor allem hörbar wird, wenn sie traditionelle Gesänge anstimmt oder zu Paschen beginnt. Der Gesang ist ein wesentliches Stilmerkmal von Federspiel und kommt auch im Stück "Wir haben gefeiert, gelacht, getanzt und geweint" zum Einsatz. Besonders reich an Klangfarben ist der Klangkörper deshalb, weil ein breites Spektrum an Blechblasinstrumenten sowie Klarinetten zum Einsatz kommen. Zusätzlich wird das musikalische Geschehen noch durch perkussive Elemente bereichert. Und es ist vor allem die Spielfreude sowie die Freude an unterhaltsamen Ansagen, mit denen "Federspiel" die Sympathien der Zuhörerschaft gewinnt. Am Ende zeigt sich das Publikum hoch begeistert von der Qualität der Musik und vom Unterhaltungswert des Septetts.
Mittwoch, 24. September 2025
De Strawanzer im Schl8hof Wels
Die vier Musiker:innen, die diesen Dienstagabend im Rahmen der Musikwerkstatt Wels im Schl8hof bestritten haben, sind kurzfristig als Ersatz eingesprungen. Ihr Metier ist eigentlich nicht der klassische Jazz, sondern sie sind stilistisch eher im Bereich von Swing und Weltmusik unterwegs. Improvisation ist ihnen dennoch nicht fremd. Sowohl Günter Wagner am Klavier, Gerald Harrer am Kontrabass und Mathi Kainz am Tenor- und Sopransaxophon beherrschen diese Kunst. Der Saxophonist greift auch manchmal zur Rhythmusgitarre und Susanne Obereder singt, wobei sie auch einen eigenartigen Schalltrichter einsetzt, der einen Grammophon-Sound erzeugt. Musik z. B. aus Lateinamerika, aus Italien oder auch aus Nordamerika wird dargeboten. Cab Calloway's "Minnie The Moocher" erklingt oder Renato Corosone's "Tu vuò fà l'americano", und auch Sambarhythmen sowie Klezmermusik bekommt man zu hören. Es ist eine bunte Stilmischung, die gekonnt dargeboten wird und die dem Anspruch des versammelten Jazz-Publikums durchaus gerecht wird. Bei Ellingtons "Caravan" merkt man allerdings schon recht deutlich, dass Jazz-Standards nicht das Zuhause der Band sind. Zufrieden mit dem "Ersatz" waren schließlich doch alle, da es laut Louis Armstrong ja bekanntlich nur zwei Arten von Musik gibt: gute und schlechte. An diesem Abend gab es nur die gute zu hören.
Dienstag, 23. September 2025
Gerlinde Miesenböck in der Stadtgalerie Vöcklabruck
In der Stadtgalerie Vöcklabruck wurde eine Ausstellung mit Fotografien von Gerlinde Miesenböck unter dem Titel "EINE, KEINE, ANDERE" eröffnet. Zwei Themenschwerpunkte treten dabei bildlich in Erscheinung. Das Eine sind Schwarz-weiß-Fotos von Zimmerpflanzen mit einem weißen Leintuch als Hintergrund, aufgenommen mit einer alten Plattenkamera. Das Andere sind Portraits, die allerdings durch Bearbeitung stark verfremdet sind, indem keine Gesichter erkennbar sind oder die Köpfe fehlen. Diese Farbfotos gibt auf Grundlage von alten Herrscher:innen-Portraits aus Museen und auch auf Grundlage von echten Menschen. Die Bekleidung spielt dabei eine große Rolle. Das Leintuch selbst wird auch zum Objekt des fotografischen Interesses in allen seinen Faltenschattierungen. Neben der Hauptausstellung findet in einem Nebenraum auch immer gleichzeitig eine Ausstellung von Künstler:innen des Hausruckviertler Kunstkreises statt. Dieses Mal werden Bilder der Malerin Heidrun Deringer mit dem Titel "Lebensfunken" gezeigt. Die Vernissagen im Lebzelterhaus und die Ausstellungen sind eine kulturelle Bereicherung für die Kleinstadt Vöcklabruck, die ich nicht missen möchte.
Sonntag, 21. September 2025
The Classic Rock Tribute plays The Beatles im Schl8hof Wels
55 Jahre sind bereits vergangen, seit sich "The Beatles" aufgelöst haben, und dennoch sind sie in meinem musikalischen Gedächtnis so fest verankert wie kaum eine andere Band. Meinem Bedürfnis, ihre Musik auch heute noch live zu Gehör zu bekommen, sind im Schl8hof Wels vier Musiker nachgekommen, Alex Zilinski, Daniel Zoglauer, Gerhard Vorauer und Georg Holter. Sie bieten eine Querschnitt durch das musikalische Schaffen der Band aus Liverpool von den Anfängen bis zum Abbey Road-Album. Dem Publikum wurde ein Hitparade vorgesetzt, die es fast unmöglich machte, ruhig auf den Stühlen zu verharren, und so füllte sich der Saal mit mehr und mehr Tanzenden und Mitsingenden. Die Band versteht ihr Handwerk und bringt somit den Geist der Beatles-Musik unter die Leute, ohne persönliche stilistische Eigenheiten verleugnen zu müssen. Eine wunderbare Wiederbelebung der guten alten Beatles-Musik ist somit vollends gelungen. Für mich war es ein Genuss.
Freitag, 19. September 2025
ORF Radio-Symphonieorchester im Brucknerhaus Linz
Im Rahmen des diesjährigen Bruckner Fests gibt das Radio-Symphonieorchester ein Konzert im Brucknerhaus. Es geht allerdings nicht um Bruckner, sondern um Filmmusik einiger Komponisten, nämlich Erich Wolfgang Korngold, Péter Eötvös und John Williams. Dirigiert wird das Orchester von Mei-Ann Chen, Solistinnen sind Asya Fateyeva an den Saxophonen und Lucja Madziar an der Violine. Was mich beeindruckt hat, ist die Größe des Orchesters von geschätzt 60 Musiker:innen, davon alleine sechs Schlagwerker. Sein Potenzial wurde je nach Komposition mehr oder weniger stark ausgeschöpft, manchmal erschien mir der Aufwand etwas übertrieben. Doch bei der Filmmusik von John Williams kam die volle Kraft des Klangkörpers zur Geltung. Filmmusik ist ja stellenweise recht exzessiv, wenn sie zum Beispiel bei "Star Wars" oder "Jurassic Park" zum Einsatz kommt. Die enorme Qualität sowohl des Orchesters als auch der Dirigentin machen das Zuhören und Zuschauen zu einem wahren Vergnügen. Das Publikum im ausverkauften großen Saal des Brucknerhauses zeigte daher auch seine volle Begeisterung und ich ebenso.
Donnerstag, 18. September 2025
"G'mahde Wies'n" am Salzburger Residenzplatz
Der Residenzplatz in Salzburg wird gerade für den Ruperti-Kirtag fit gemacht, da passt es gut, dass im Rahmen von QUER_BEET ein Volksmusik-Sextett zum Einsatz kommt. Die Musiker aus OÖ, Salzburg und der Steiermark haben die tradtionelle österreichische Volksmusik drauf und erzeugen mit ihren Instrumenten den typischen dazugehörigen Sound. Dazu kommt noch stellenweise Gesang (z. B. bei Gstanzln) und das Paschen (rhythmisches Klatschen). Die "G'mahde Wies'n" erzeugt so eine wunderbare Stimmung, während sich das Publikum das bereits erhältliche Bier schmecken lässt, das bereits vorhandene Mini-Riesenrad kostenlos testen darf und neugierige Tourist:innen aus aller Welt mit ihren Handys filmen und fotografieren. Jeder der Musiker trägt seine persönliche Trachtenkleidung, die fehlende Uniformierung fällt mir besonders angenehm auf. So kann auch ich diese Volksmusik genießen, die ich ja auch selbst in meinen Teenager-Jahren am Akkordeon gespielt habe.
Mittwoch, 17. September 2025
"Take The A Train"-Festival Salzburg
"Take The A Train" steht für ein viertägiges Musikfestival, veranstaltet vom "Jazzit" in Salzburg, das nun schon zum elften Mal an mehreren Spielorten im Umfeld des Hauptbahnhofs stattfindet. Viele der Veranstaltungen sind dabei für alle frei zugänglich. Dieses Jahr habe ich gar nicht so wenige der zahlreichen Konzerte miterlebt. Besonders beindruckt hat mich die Salzburger Sängerin Pilmaiquén, die im wunderbaren Ambiente im 14. Stock des ARTE-Hotels ihren Auftritt hatte, wegen ihrer Fähigkeit, wunderbar "schmachten" zu können. Die Rapperin Akua Naru in Begleitung von Matthias Löscher und Stephan Kondert sorgte beim Publikum im Jazzit für begeisterte Stimmung. Am allerbesten haben mir allerdings "Königlollipop" (Lukas König und Leo Riegler) sowie das Moses Yoofee Trio gefallen wegen ihrer rhythmischen Kraft und Virtuosität. "You Promised Me Poems", das musikalische Projekt von Lisa Hofmaninger und Helmut Jasbar kannte ich schon, man kann es allerdings nicht oft genug hören. Die prominenteste Band des Festivals war natürlich das Kronos Quartet (am Foto), dessen Auftritt ich in der Andräkirche miterleben durfte. Das Wunderbare daran ist die Vielseitigkeit dieses Streichquartetts, das sowohl in der Minimal Music eines Terry Riley und Philipp Glass, im Jazz, in der Musik des Orients und des fernen Ostens und nicht zuletzt in der Country-Musik ihres Herkunftslandes USA verwurzelt ist. Das Schöne an diesem Festival ist, dass es, was musikalische Stile und Zielgruppen anbelangt, sehr breit aufgestellt ist und daher unterschiedlichen Geschmäckern gerecht werden kann.
Samstag, 6. September 2025
Ars Electronica Festival Nightline
Außer der Klangwolke im Donaupark habe ich noch nicht viel Musikalisches vom Ars Electronic Festival mitbekommen. Daher wollte ich einmal hineinschnuppern ins Geschehen in der sogenannten Postcity, einem aufgelassenen Post-Umschlagplatz beim Linzer Bahnhof. Dazu habe ich mir die "Nightline" ausgesucht, die zwei junge Frauen und ihre musikalischen und optischen Werke präsentierte. In der fabrikartigen, kargen Halle sorgten vier Screens und Line Array-Lautsprecher für Video-Wiedergabe und Sound. Und das ziemlich aufdringlich. Aygyul aus Wien erhebt ihre Stimme begleitet von einem dröhnenden, elektronischen Bassgewitter und unterstützt von eindringlichen Videobotschaften in Korrelation zum Gesanglichen. Als avantgardistischen Pop könnte man ihre Musik bezeichnen wie auch die der Spanierien Maria Arnal (am Foto), die anschließend an der Reihe war. Ihre Darbietung - auch begleitet von abgestimmtem Video-Material - war für meine Ohren etwas rhythmischer und sogar folkloristisch beeinflusst und hat mir besser gefallen. Die Lautstärke der Performance war allerdings auch hier herausfordernd für mich und ich war dann froh, wieder in stillere Gefielde abtauchen zu können.
Mittwoch, 3. September 2025
Ars Electronica Festival Opening in Linz
Außer der Klangwolke habe ich bisher vom Ars Electronica Festival nichts mitgekriegt. Das sollte sich ändern, indem ich dieses Mal an der Eröffnungsveranstaltung am Platz vor dem Mariendom und im Dom selbst teilnehme. Auf der Bühne am Domplatz geht es los mit Luca Malina, die zu vorgefertigten Beats ihre Stimme erhebt, gefolgt von einer Performance, bei der die Europahymne in Gebärdensprache aufgeführt wird. Das Publikum soll mit weißen Handschuhen bekleidet die Sache mitgestalten. Danach geht es ins Dominnere, wobei die Sitzplätze für den Massenansturm bei Weitem nicht ausreichen. Überhaupt ist es im verwinkelten Domraum schwierig, die Aufführenden auch zu Gesicht zu bekommen. Ein dreiköpfiges Percussion-Ensemble - MOTUS Percussion - bringt URBAN PULSE zur Aufführung, wobei sowohl Geschwindigkeit wie auch die Klangfülle der Trommeln beeindrucken. Den Hauptteil des Konzerts bestreitet dann das Brucknerorchester, das Stücke von Johann Strauss zum Besten gibt, die Fledermaus-Overtüre sowie die Walzersymphonie und Traumbild I, mit Unterstützung und Mitwirkung von KI aus dem Ars Electronica Futurelab. Leider erfolgte die Beschallung mittels Verstärkung auch über Lautsprecher, was der akustischen Qualität des Konzerts nicht gut getan hat. Mir hat es dann gereicht. Die restlichen Programmpunkte ohne Brucknerorchester habe ich nicht mehr miterlebt. Immerhin konnte ich einen Eindruck von den musikalischen Leistungen des Ars Electronica Festivals abseits der Klangwolke gewinnen.
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