Samstag, 17. Januar 2026
Rodrigo Amado mit The Bridge im Schl8hof Wels
"Beyond the Margins" hat der portugiesische Tenorsaxophonist Rodrigo Amado sein 2023 erschienenes Album mit Alexander von Schlippenbach am Klavier, Ingebrigt Haker Flaten am Kontrabass und Gerry Hemingway am Schlagzeug genannt, und genau in dieser Besetzung ist das Quartett "The Bridge" im Welser Schl8hof zu hören. Schon mit den ersten Tönen wird dem Publikum klar, was es geschlagen hat, denn sie sind der Beginn eines freien Spiels der Kräfte, eines an- und abschwellenden musikalischen Energieflusses, der ohne Unterbrechung über eine Stunde lang andauert. Phasenweise improvisiert das ganze Kollektiv, dazwischen bilden sich immer wieder unterschliedliche Trios oder Duos der virtuos und energisch Musizierenden, die sich verständigen und aufeinander eingehen, sich gegenseitig antreiben und auch wieder beruhigen. Es entstehen musikalische Wellen, die anschwellen und sich ekstatisch auftürmen, ehe sie wieder spektakulär in sich zusammenbrechen und zu einem Hauch von Klang verebben, bis sich die nächste Welle langsam erhebt, ohne der vorigen zu gleichen und so weiter. Aus der Stille der Zwischenräume erhebt sich ein Instrumententon oder Gesang aus der Kehle des Schlagzeugers, das Menschlichste, das uns zu eigen ist. Irgendwann ist dann Schluss mit dem einzigen Stück des Abends, eine kurze Zugabe gibt es noch. Der Älteste unter den Vieren ist der Pianist und Bandleader Alexander von Schlippenbach (Jahrgang 1938), der sich als einer der ersten europäischen Jazzmusiker die absolute Freiheit individueller Kreativität genommen hat, die dieses Quartett auch heute zelebriert. Das Publikum hat den Wellenritt mitgemacht und zeigt sich beeindruckt, teils erstaunt: "So etwas habe ich noch nie gehört", meint ein Zuhörer mit dem Ton der Bewunderung. Wie schön und belebend kann der Blick über den (musikalischen) Tellerrand hinaus sein.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen