Die in Salzburg lebende Pianistin und Komponistin Jordina Millà Benseny will mit ihrem Projekt PRISMA improvisierte Musik unter die Leute bringen. Dazu lädt sie zu Konzerten ins Künstlerhaus Salzburg (oenm-Atelier) ein, wo sie im Trio gemeinsam mit dem Gitarristen Kenji Herbert und der Kanun-Spielerin Sofia Lapropoulou musikalisch improvisiert. Dabei geht es auch darum, außergewöhnliche Klänge zu erzeugen. Die Instrumente werden die meiste Zeit nicht konventionell gespielt, sondern erfahren eine besondere Behandlung. Die Saiten des Klaviers werden mit unterschiedlichen Gegenständen zum Klingen gebracht, mit Stäben oder Holzklötzen zum Beispiel. Die Saiten des Kanuns werden geschlagen oder gestrichen. Der Gitarrenton wird mit diversen Effektgeräten verfremdet. Dadurch entsteht eine eigene Klangwelt, ein Schwirren, ein Glucksen, ein Gesumme, glockengleiche Klänge, geringe und enorme Intensität, ein Anschwellen und ein Ersterben, Donner und Aufruhr und Engelschöre und manchmal sogar ein kleine Melodie. Nicht immer sind alle drei Musiker:innen gleichermaßen beteiligt, bisweilen gibt es Duette oder sogar Soli. Das Ganze ist immer spannend, es befriedigt die Neugier und es kann einen mitnehmen in eine andere Welt und emotional berühren. Es sind wunderbare musikalische Klangreisen, bei denen der Weg das Ziel ist. Ich gehe diesen Weg gerne mit.
Donnerstag, 29. Mai 2025
Montag, 26. Mai 2025
Christoph Ransmayr & Wolfgang Muthspiel im Stadttheater Gmunden
Ich habe zu beiden Künstlern eine Beziehung, die jüngst gemeinsam einen Abend im Stadttheater Gmunden im Rahmen der Gmundner Festwochen gestaltet haben. Von Christoph Ransmayer habe ich Romane gelesen und schätze sein erzählerisches Talent. Wolfgang Muthspiel kenne ich als virtuosen Gitarristen aus dem Jazz-Genre. An diesem Abend stellen beide neue Kreationen vor. Ransmayr liest zehn Episoden aus seinem Mikroromanzyklus "Egal wohin, Baby", zwischen den einzelnen Geschichten spielt Muthspiel neun Variationen über die berühmte Arie "Lascia ch'io pianga" aus Georg Friedrich Händels Oper Rinaldo auf der Gitarre. Beide eröffnen Welten, in die ich gerne eintauche. Der Schriftsteller berichtet von fernen, ebenso magischen wie realen Orten und ihrer Geschichte und lässt ins Innenleben des Protagonisten blicken, der sich diesen und deren Bewohner aussetzt. Der Gitarrist widmet sich dem Klagegesang Händels und verleiht ihm alle möglichen emotionalen Schattierungen und führt das Thema durch diverse Stilrichtungen, die sein reichhaltiges musikalisches Universum zu bieten hat. Den Künstlern gelingt es, Spannung und Aufmerksamkeit beim Publikum hoch zu halten, sowohl was die Sprache als auch die Musik betrifft. Ein Gefühl der Harmonie zwischen der literarischen und der musikalischen Welt stellt sich bei mir ein. Dass die Darbietung der Zuhörerschaft im ausverkauften Stadttheater auch gefallen hat, beweist reichlicher Applaus am Ende dieses kunstvollen Abends.
Sonntag, 25. Mai 2025
Pariser Flair in der Spinnerei Traun
Auch durch Instagram kann man auf Musiker:innen aufmerksam werden. So ist es mir mit dem in Berlin beheimateten Duo "Pariser Flair" ergangen, dem ich nun schon seit ein paar Jahren auf der Online-Plattform folge. Ich wollte die Musikerinnen auch einmal live erleben, was mir schon einmal in Laufen, der Grenzstadt in Bayern, gelungen ist. Obwohl sie im Jahr etwa 120 Konzertauftritte aufzuweisen haben, waren die Beiden bisher noch nie in Österreich. Somit habe ich gleich die erste Gelegenheit wahrgenommen, sie quasi in heimischen Gefielden, in Traun, zu sehen und zu hören. Pariser Flair bieten im gezeigten Programm eine musikalische Führung durch Paris an, indem neben der Darbietun zahlreicher Chansons auch Pariser Sehenswürdigkeiten aller Art besprochen werden. So entsteht ein unterhaltsamer Abend mit der gebürtigen Französin Marie Giroud (Gesang) und Jenny Schäuffelen (Akkordeon und E-Piano). Die Lieder kannt man meist von Interpret:innen wie Charles Aznavour, Jaques Brel, Edith Piaf und anderen, Marie Giroud drückt ihnen aber ihren eigenen, unverwechselbaren Stempel auf, wobei sie die Textinhalte glaubhaft berührend vermitteln kann. Es gelingt dem Duo, das Publikum in seinen Bann zu ziehen, wofür sich dieses mit viel Applaus bedankt.
Mira Lu Kovacs beim Frühlingsfest am Gleinkersee
Als ich Mira Lu Kovacs zum ersten Mal im OKH Vöcklabruck live erlebt habe, nannte sie sich noch Schmieds Puls. Ihre Musik hat mich berührt und so habe ich bis heute zahlreiche Gelegenheiten wahrgenommen, um eines ihrer Konzerte zu besuchen, sei es mit ihrer Band, mit "My Ugly Clementine" oder mit Clemens Wenger im Duo. Auch ihr Gratis-Konzert beim Frühlingsfest am Gleinkersee wollte ich mir nicht entgehen lassen und am Gleinkersee bin ich ja auch noch nie gewesen. In einem wunderbaren Open-Air-Ambiente spielt die Künstlerin mit ihrer Band ihre neuesten Lieder und auch ältere "Hits" wie zum Beispiel das von mir geliebte "Stay A Little Longer". Viele junge Familien mit Kind und Kegel lauschten ihren Liedern und genossen diesen herrlichen Spätnachmittag am Gebirgssee, an dem sich Mira Lu Kovacs in bester Spiellaune präsentierte.
Freitag, 23. Mai 2025
Michael Köhlmeier & mg3 im Doppel:Punkt Leonding
Die Zusammenarbeit zwischen Jazz-Musiker:innen und Literat:innen hat schon ein längere Geschichte, auch in Österreich. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang ganz besonders an ein Konzert der Jazz-Formation "Neighbours" mit Ernst Jandl in der Salzburger Elisabeth-Bühne in den 1980er Jahren. Auch das Martin Gasselsberger Trio hat bereits 2008 eine Zusammenarbeit mit dem Schauspieler und Fernsehmoderator Frank Hofmann begonnen, der damals Erich-Fried-Gedichte zur Musik vorgetragen hat. Weitere Programme folgten. Leider ist Frank Hofmann 2022 verstorben. Doch nun gibt es wieder ein Projekt, dieses Mal mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, der aus seinem 2023 erschienenen Buch "Boulevard der Helden" einzelne Episoden liest. Die Jazzband (Martin Gasselsberger am Klavier, Roland Kramer am Kontrabass und Gerald Endstrasser am Schlagzeug) spielt dazwischen Stücke mit Bezug zu den Texten. Einen Song von Bob Dylan, wenn es in einer Geschichte um ihn geht, ein Stück von Thelonious Monk, wenn er der Held einer Kurzgeschichte ist. Diese Erzählung über die Freundschaft zwischen den beiden Jazz-Pianisten Thelonious Monk und Bud Powell hat mich am meisten berührt. Dass Michael Köhlmeier ein genialer Erzähler ist und Martin Gasselsberger Jazz-Standards und Pop-Songs mit eigener Handschrift versehen kann, wurde hier unter Beweis gestellt. Auch wenn die Literatur dabei das Übergewicht hatte, so ist dennoch eine gelungene Symbiose von Literatur und Jazz dabei entstanden.
Donnerstag, 22. Mai 2025
David Helbock's Random Control mit Fola Dada in der Trinkhalle Bad Ischl
Den Vorarlberger Pianisten David Helbock habe ich zum ersten Mal live erlebt im Duo mit der französischen Sängerin Camille Bertault in der Musikschule Bad Goisern. Seither interessiere ich mich für die beiden Musier:innen. Nun ist David Helbock mit seiner langjährigen Vorarlberger Band Random Control in der Trinkhalle Bad Ischl aufgetreten, erweitert durch die deutsche Sängerin Fola Dada. Interessant an der Besetzung ist der Multiinstrumentalist Johannes Bär, der sowohl als Percussionist, Trompeter, Beatboxer, Sousaphon-Spieler, Sänger und Alphorn-Bläser (Habe ich noch was vergessen?) zum Einsatz kommt. Ansonsten macht David Helbock seinen Job am Klavier, das er allerdings auch durch Elektronik erweitert hat, und Andreas Broger bläst die Saxophone, die Bassklarinette und die Querflöte. Damit ergibt sich ein ziemlich weites Soundspektrum, das die Band auch gehörig ausschöpft. Die Vertonung von Lyrik ist eine Spezialität dieser Gruppe, aber auch die Interpretation von Pop-Songs und Jazz-Standard, wie z. B. "In A Sentimental Mood", das hier ganz, ganz langsam zelebriert wird. Fola Dada hat eine beeindruckende Stimme, die auch in ihrem Sprechgesang zum Ausdruck kommt. Die Musik hat einen recht eigenständigen und originellen Charakter. Die Darbietung war leider etwas beeinträchtig durch den ungünstigen Aufführungsort der Trinkhalle Bad Ischl, die akustisch alles andere als geeignet für Musikgenuss ist. Das Publikum hat das gelungene Konzert dennoch mit viel Applaus quittiert.
Sonntag, 18. Mai 2025
Bahnfahrt nach Mariazell
Für meine Mutter, eine gläubige Katholikin, war die Wallfahrt nach Mariazell immer ein besonders erfreuliches Ereignis. Ich kannte die Wallfahrtsbasilika bisher nur von der 1-Schilling-Briefmarke meiner Kindheit. Zeit wurde es, sie einmal in natura zu besichtigen, und das gelang mittels einer Bahnfahrt nach St. Pölten und weiter mit der Mariazellerbahn ("Die Himmelstreppe") bis zur Endstation. Das dauert zwar lange (ca. zweieinhalb Stunden), bietet aber ein Gebirgsbahn-Reiseerlebnis mit vielen Viadukten und Tunneln und wunderbaren landschaftlichen Ausblicken. Vom Bahnhof ist es dann noch mehr als einen Kilometer Fußweg bis zur Basilika im Zentrum des Ortes. Die Marienwallfahrtskirche ist ein künstlerisches Juwel und beeindruckt sowohl durch ihre gotische und barocke Architektur als auch durch ihr Inventar (Altäre, Orgeln, Statuen, Fresken). Sie beinhaltet einen eigenen Marienaltar und den Hauptaltar mit einer silbernen, von einer Schlange umwundenen Weltkugel als Tabernakel. Als Kind hat mich die Darstellung des Bösen und der Sünden eigentlich mehr beeindruckt als der göttliche Glanz, die Engel und der Hl. Geist. Mit dem öffentlichen Verkehr ist es nicht einfach, aus Mariazell wieder weg zu kommen, und so habe ich auch die Rückfahrt wieder über "Die Himmelstreppe" erledigt.
Freitag, 16. Mai 2025
Verena Zeiner Trio im ProDiagonal Lambach
"Poems" nennt sich das Programm der österreichischen Pianistin Verena Zeiner, das sie mit ihren musikalischen Partnern Kristian Lind (Kontrabass) und Chris Parker (Schlagzeug) im ProDiagonal Lambach zur Aufführung gebracht hat. Es braucht etwas Zeit, um in den Kosmos von Verena Zeiners Musik einzutauchen. Sie kommt als subtile Kammermusik daher und erscheint im ersten Moment recht unspektakulär. Es sind die Feinheiten, die zu wirken beginnen, am Klavier, am Bass und auch am Schlagzeug. Bald hat mich allerdings die Magie dieser Musik eingenommen und ich merke, wie viel Subtilität und Dramatik in den Eigenkompositionen geboten werden. Es ist ein Strom, der sich verlangsamt, fast zum Stehen kommt und sich dann wieder in voller Intensität beschleunigt. Die Stücke sind weitestgehend durchkomponiert und dennoch stellt sich bei mir nie der Eindruck des Vorgefertigten ein. Verena Zeiner ist für mich eine Entdeckung, die mich in ihren Bann gezogen hat und der ich mit großem Interesse auch weiter nachgehen werde.
Freitag, 9. Mai 2025
Roundabout im OKH Vöcklabruck
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe "thursdays4jazz" fand auch diesen Donnerstag wieder ein Konzert mit jungen österreichischen Musikern statt, die sich Roundabout nennen. In der gut besuchten Bar des OKH Vöcklabruck präsentierte sich die Band ausschließlich mit eigenem Songmaterial, das sie in Quartettbesetzung mit Manu Kreutzer (Altsax), Moritz Lindner (Drums), Henrik Stöllinger (E-Bass) und Alexander Danninger (Keyboards) zum Besten gab. Es ist Musik der verspielt lyrischen Art, die hier präsentiert wird, wobei jeder der musikalischen Partner auch einmal in den Vordergrund treten darf, sei es der Bassist mit eigenwilligen Melodiebögen oder der Saxophonist eher warm wohltönend als scharf aggressiv. Neben ruhigeren Passagen gibt es dabei auch Momente hoher kollektiver Intensität. Die Musik der vier jungen Leute klingt recht eigenständig und originell und ergibt, wie der Bandname auch andeutet, eine ziemlich runde Sache, die man auch schon auf ihrer EP "Sidequest" genießen kann.
Befreiungsfeier in der Pfarrkirche Zipf
Es ist wieder die Zeit im Jahr, in der in meiner näheren Umgebung Befreiungsfeiern aus Anlass der Befreiung vom Nationalsozialismus durch alliierte Truppen stattfinden. Auch in Zipf gibt es seit vielen Jahren eine solche Feier bei der KZ-Gedenkstätte und in der nebenliegenden Kirche. Die Feier fand dieses Jahr vorwiegend in der bis zum letzten Platz gefüllten Kirche statt. Neben den Gedenkreden gab es musikalische Darbietungen. Mozarts Flötenquartett in D-Dur gab es zu hören wie auch Lieder eines Chors der Schüler:innen der Mittelschule Timelkam. Schüler:innen der Mittelschule Neukirchen a. d. Vöckla brachten eine Präsentation zur Bedeutung von Demokratie zur Aufführung. Einer der Redner war der ehemalige Politiker Rudi Anschober, der sich als Journalist schon vor seiner Politikerlaufbahn für die Errichtung des Denkmals für das ehemalige KZ "Schlier" in Zipf eingesetzt hatte. Den Abschluss fand die Feierlichkeit mit einem Blumenschmuck beim Denkmal. Auch an anderen Orten im Bezirk Vöcklabruck veranstaltet das Mauthausen Komitee Vöcklabruck Gedenkveranstaltung, so in Pettighofen bei Lenzing, in Attnang und in Vöcklabruck.
Echoboomer im Jazzit Salzburg
Nicht unverdient hat die Band Echoboomer den Österreichischen Jazzpreis für ihr erstes Album 2024 gewonnen. Grenzüberschreitende Songstrukturen würden das Jazzidiom überzeugend sprengen, meinte die Jury damals, und so habe ich das auch erlebt im Jazzit Salzburg, wo die Band bereits Stücke aus ihrem zweiten, demnächst erscheinenden Album zum Besten gegeben hat, quasi als "Weltpremiere". Schon allein die Besetzung mit Keyboard, Streichern, Bläsern, Bässen und Schlagzeug ermöglicht es, sehr unterschiedliche Sounds zu erzeugen, die in den recht originellen Kompositionen von Beate Wiesinger (E-Bass und Kontrabass) zum Einsatz kommen. Eigentlich ist ja die Band ein Septett, Posaunist Alois Eberl hat aus gesundheitlichen Gründen jedoch leider dieses Mal gefehlt. Auch ohne ihn entsteht ein musikalischer Kosmos, in dem es nie langweilig wird und in dem man gerne noch länger verweilen möchte.
Montag, 5. Mai 2025
Ein musikalischer Abend beim Donaufestival Krems
Die gute Erinnerung an den Besuch beim Donaufestival Krems letztes Jahr hat mich auch heuer wieder zum Klangraum Krems in die Minoritenkirche gelockt. Drei Konzerte standen dort am Sonntagabend am Programm, die einiges an Gemeinsamkeiten aufzuweisen hatten. Es handelte sich bei allen um Duette und bei allen kamen elektronische Sounds dominant zum Einsatz. Zosia Holubowska nennt sich Mala Herba und lässt die Zuhörer:innen gemeinsam mit ihrer Begleiterin in abgrundtiefen Bassgewittern baden. Dazu gibt es beschwörenden Gesang mit verbalen Botschaften. Magisch-mystisch wirkt das Ganze. Rachika Nayar und Nina Keith greifen neben Computersounds auch auf elektronisch verfremdete Instrumente wie Klavier und Bassgitarre zurück. Am besten haben sie mir gefallen, als die Darbietung gegen Ende etwas rhythmischer geworden ist. Als Höhepunkt des Abends und Jazz-Insidern durchaus bekannt hat Shabaka Hutchings ein Flötenkonzert gegeben, das ebenfalls in elektronische Soundgebilde eingebettet war und zusätzlich von Elliot Galvin am Klavier und an den elektronischen Reglern unterstützt wurde. Immer dann, wenn auch hier der Rhythmus dominiert hat, war die Aufführung für mich interessanter und mitreißender. Die Minoritenkirche ist ein magischer Raum und seinem Namen "Klangraum" völlig gerecht geworden. Architektur und akustische Eigenschaften dieses alten Gebäudes schaffen eine wunderbare Atmosphäre. Und nicht zuletzt ist es auch die Art der Zuhörerschaft, die den Aufenthalt beim Donaufestival für mich so angenehm macht.
Sonntag, 4. Mai 2025
Barry Altschul 3Dom Factor in der Galerie MAERZ Linz
Vor über 40 Jahren, als ich ein Mitglied der Kulturgruppe 08/16 in Gmunden war, hatten wir den Schlagzeuger Barry Altschul einmal zu Gast bei einem Konzert im damaligen Kammerhofsaal. Jetzt, gut 40 Jahre später begegne ich dem nun 82-Jährigen wieder in der Galerie Maerz in Linz, wo er mit seinem eigenen Trio auftritt. Unterstützt mit einem Gehstock betritt er die Bühne gemeinsam mit seinen etwas jüngeren Mitmusikern Joe Fonda am Bass und Jon Irabagon an den Saxophonen. Als er dann loslegt, spielt er kraftvoll wie ein Junger und hat seine wahre Freude an der Kommunikation mit seinen Mitspielern. Es ist Modern Jazz auf der Höhe der Zeit, wobei das Trio auf seine Art auch Standards ins Programm einbaut wie z. B. das wunderbare "Prelude To A Kiss". Ob sich Barry Altschul noch an Gmunden erinnern könne? Ja, der Klang dieses Namens hat die 40 Jahre in seinem Gedächtnis überdauert. Dies freut mich wie auch das Wiedersehen nach so langer Zeit.
Donnerstag, 1. Mai 2025
Purple Muscle Car im Jazzit Salzburg
"Da geht die Post ab", war mein Eindruck nach den ersten Takten Musik, die dieses Quartett von sich gegeben hat. Kraft und Ausdauer sind Eigenschaften dieser österreichischen Band, und sie ist auch nicht gerade leise. Das Grundgerüst liefern der Drumbeat (Mario Lackner als Ersatz für Herbert Pirker) und die Basslinien des Keyboarders Philipp Nykrin. Dazu betätigen sich sich die Bläser Fabian Rucker am Altsax und Thomas Gansch an der Trompete (als Ersatz für den Posaunisten Alois Eberl), die sowohl unisono als auch jeder für sich improvisierend zu Höchstleistungen auflaufen. Die Musik "fährt", und zwar nicht immer geradeaus, sondern auch zickzack vielen vertrackten rhytmischen Ecken und Kanten, denen es zu folgen gilt. Das verlangt von allen Piloten dieses Rennens volle Konzentration und Reaktion. Besonders beeindruckt haben mich dabei die pulsierenden, groovenden Bassläufe von Philipp Nykrin am Keyboard, die für mich verlauten lassen: Einen extra Bassisten brauchen wir nun wirklich nicht. Ein tragende Rolle spielt das Schlagzeug und ist sozusagen der Motor dieses muskelbepackten Fahrzeugs, das mindestens 1000 musikalische PS abliefern kann. Die Begeisterung, die derartige Kraftausbrüche beim Publikum hervorraufen, ist dabei auch nicht zu unterschätzen.
Yazz Ahmed und Ralph Wyld im Jazzit Salzburg
Den Internationalen Jazz-Tag 2025 habe ich auch heuer wieder mit einem Konzertbesuch im Jazzit gefeiert. Wie auch letztes Jahr wurde das Konzert im Radio auf Ö1 live übertragen. Yazz Ahmed, eine Londoner Trompeterin mit arabischen Wurzeln, und der Londoner Vibraphonist Ralph Wyld bilden zwar ein Duo, allerdings wird es erweitert durch elektronische Unterstützung, die vor allem den groovenden Beat liefert und Klanglandschaften erschafft. Dazu entwickeln die beiden Musiker:innen ihre Melodie- und Improvisationsbögen. Es entsteht daraus für mich etwas Magisches, Hypnotiesierendes, das mich fesselt und entführt und dem ich mich wohltuend ausliefere. Der tranceartige Zustand, den die orientalisch geprägte Musik bei mir hervorruft, könnte ruhig noch länger dauern, d. h., die Musikstücke könnten durchaus eine weitere Ausdehnung vertragen. Der Trompeten- und Flügelhornton von Yazz Ahmed ist eher auf der sanften Seite. Miles Davis kommt mir in den Sinn und auch seine Interpretation des "Concierto de Aranjuez". Andererseits höre ich aus Ralph Wyld's Vibraphonspiel Gary Burton heraus, der in mir wie kein anderer die Liebe zu diesem Instrument geweckt hat. Die Musik dieses Duos ist wie ein Fluss, von dem ich mir wünsche, dass er niemals aufhören würde zu fließen und auf dem ich mich gerne ein Stück des Weges mittreiben lasse.
Abonnieren
Kommentare (Atom)













