31 Jahre war es her, als mich Charles Lloyd in Bad Goisern zum ersten Mal live beeindruckt hat. Den jetzt 87-Jährigen noch einmal zu hören und zu sehen, war mir ein Bedürfnis. Im "Porgy" gab es nun diese Gelegenheit, dieser Saxophon-Legende aus nächster Nähe in Club-Atmosphäre zu begegnen. Der Saxophonist hat sich mit exzellenten Musikern zusammengetan (Jason Moran am Klavier, Larry Grenadier am Kontrabass und Kweku Sumbry am Schlagzeug), mit denen er ein klassisches Jazz-Quartett bildet. Modern Jazz mit sowohl lyrischer als auch stellenweise sehr kraftvoll-expressiver Note wird geboten, wobei viel Raum für individuelle Improvisationskünste der Beteiligten offen steht. Larry Grenadier kann somit seine Meisterschaft im präzisen und kraftvollen Bassspiel beweisen. Jason Moran hat einen Anschlag am Klavier wie ein Karate-Meister. Charles Lloyd hat nichts an seinem vollen und zugleich filigranem Ton am Tenor-Sax verloren, beherrscht allerschnellste Läufe und "schreit" mit seinem Instrument noch immer voller Expressivität. Auch seine zarte Seite kommt besonders dann zur Geltung, wenn er zur Querflöte greift. "The Sky Will Still Be There Tomorrow" nennt er sein Album aus 2024, aus dem die meisten Kompositionen stammen. Eine hat mit besonders beeindruckt: "The Ghost of Lady Day", eine Hommage an Billie Holiday, in der Charles Lloyd das todtraurige und zugleich anklagende "Strange Fruit" auf ein eindringliche Weise erklingen lässt, die mich zutiefst ergreift. Mit so einer Musik kann man dem Himmel schon sehr nahe kommen.
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