Craig Taborn aus Detroit war mir bisher nicht bekannt, Künstler, mit denen er in Verbindung steht (Dave Douglas, Marty Ehrlich, Roscoe Mitchell und Tim Berne), allerdings schon. Dementsprechend klingt er auch am Klavier - ziemlich avantgardistisch im Sinne des Überschreitens der engeren Jazz-Piano-Grenzen in Richtung großer Offenheit und stilistischer Vielfalt. Schon mit den ersten kräftigen Anschlägen vor allem der linken Hand führt er mich in seine Welt des Klavierspiels ein. Sie ist geprägt von unreinen tiefen und mittleren Akkorden, die sich tranceartig wiederholen, oft schlagartig abbrechen, weil ein anderes Thema Oberhand gewinnt. Seine Anschlagsqualität erinnert mich bisweilen an die eines Hardrock-Gitarristen: Craig Taborn rockt den Flügel im Bechstein Centrum ordentlich, er holt alles heraus, was dieses wunderbare Instrument hergibt. Auch der Einfluss der Minimal Music kommt für mich beim Zuhören zur Geltung. Wiederholung mit allerlei kleinen zeitlich-rhythmischen Verschiebunen prägen manche Stücke. Dazwischen blitzt auch auf, dass er Craig Taborn auch die schnellen, perlenden Läufe in den höheren Lagen virtuos beherscht. Sie sind allerdings nur das schmückende Beiwerk zu seinen Hammerschlägen, die er dem Bechstein-Flügel verpasst. Ja, so gehört ein Klavier behandelt, finde ich in dem Moment, als sich der Künstler am Ende seiner Darbietung vor dem begeistert applaudierenden Publikum verbeugt. Selten noch habe ich einen Pianisten erlebt, der eine derart eigenständige und selbstbewusste musikalische Sprache spricht wie Craig Taborn.
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